Mönchengladbach: Kurzarbeit bei Rhenus Lub
VON KATHARINA SCHMÜLLING - zuletzt aktualisiert: 20.05.2009Mönchengladbach (RPO). 130 Mitarbeiter des Unternehmens arbeiten ab dem 1. Juni einen Tag pro Woche weniger. Kein Einzelfall: Immer mehr Gladbacher Unternehmen versuchen so durch die Krise zu kommen. Kurzarbeit kann Arbeitsplätze retten.
Mindestens 130 tarifliche Mitarbeiter bei Rhenus Lub müssen ab dem 1. Juni in Kurzarbeit gehen. Der Inhaber des Gladbacher Unternehmens für Spezialschmierstoffe, Dr. Max Reiners, informierte seine Mitarbeiter bei einer Betriebsversammlung am Montag persönlich über die Beweggründe. Manche Kunden, wie Hersteller von Fahrzeugkomponenten, verzeichneten Umsatzrückgänge von bis zu 80 Prozent. Das hat Auswirkungen auf die Auftragslage von Rhenus Lub. "Wir wollen aber auf jeden Fall Entlassungen vermeiden und unsere qualifizierten Mitarbeiter halten", so Reiners.
Insgesamt beschäftigt Rehnus Lub 205 Mitarbeiter in Mönchengladbach. "Tarifliche wie außertarifliche sollen gleich behandelt werden", sagt Firmensprecher Michael Obst. Während für alle tariflich beschäftigten Mitarbeiter schon fest steht, dass sie mit Beginn des kommenden Monats einen Tag pro Woche zu Hause bleiben werden, werde für die außertariflichen Mitarbeiter, also vor allem die Führungskräfte, noch an einer Lösung gearbeitet. "Alle sollen einen Beitrag leisten", so Obst.
Fakten
Der Arbeitgeber beantragt bei der zuständigen Arbeitsagentur das Kurzarbeitergeld.
Der Arbeitnehmer bezieht für die Kurzarbeitszeit 60 Prozent des Nettolohnes bzw. mit Kind 67 Prozent von seinem Arbeitgeber. Der bekommt das Kurzarbeitergeld von der Agentur erstattet.
Kosten für Sozialversicherungen werden zu 50 Prozent von der Arbeitsagentur erstattet. Nutzt der Arbeitgeber die Zeit zur Weiterqualifizierung seiner Mitarbeiter bekommt er 100 Prozent erstattet.
Monforts, Trütschler, Schlafhorst
Mit der Anmeldung zur Kurzarbeit steht das Unternehmen für Spezialschmierstoffe in Mönchengladbach nicht alleine da. "Kurzarbeit ist in der Stadt derzeit ein ganz großes Thema, es weitet sich immer mehr aus", sagt der Vorsitzende des DGB-Kreisverbandes Mönchengladbach, Hans Lehmann. Er weiß unter anderem von Kurzarbeit bei Monforts, Trütschler oder Schlafhorst.
Die aktuellsten Zahlen der Agentur für Arbeit im Bezirk Mönchengladbach und Rhein-Kreis-Neuss beziehen sich auf den vergangenen April: Insgesamt seien 154 Anzeigen für Kurzarbeitergeld eingegangen, erklärte eine Sprecherin. Davon seien 3850 Arbeitnehmer betroffen. Die Kurzarbeiter bekommen für die Zeit der Kurzarbeit – bei den Rhenus Lub-Mitarbeitern ist das der eine Tag pro Woche – 60 Prozent ihres durchschnittlichen Nettolohns. Wer ein oder mehrere Kinder hat, erhält 67 Prozent.
Das bedeute natürlich starke Einschnitte, vor allem für junge Menschen mit Familie, weiß Hans Lehmann. Besonders betroffen: Mitarbeiter von Unternehmen, die zum Teil gleich wochenweise dicht machen. Und dennoch hält er die Kurzarbeit für ein gutes Instrument in der Krise. "Das oberste Ziel ist doch, Arbeitsplätze zu erhalten", sagt der Gewerkschafter. "Denn irgendwann wird es wieder aufwärts gehen."
Das hoffen auch Rhenus-Lub-Inhaber Dr. Max Reiners und seine Mitarbeiter. In der Zwischenzeit soll aus der Not möglichst eine Tugend gemacht werden: Die Mitarbeiter sollen die Zeit nutzen, sich in Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen fortzubilden. Um die Arbeitsplätze in Mönchengladbach zu sichern, werde nun alles unternommen, um an neue Aufträge zu kommen. Reiners spricht von "aktuellen Erfolgen in Südamerika". Dort habe Rhenus Lub mit Spezialfetten neue Kunden in der Bergbau- und Zementindustrie gefunden.
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