Mönchengladbach: L19: Die nächste Bürgerinitiative
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 22.07.2010 - 19:00Mönchengladbach (RPO). Es ist wie beim Hasen und Igel: Egal, wo eine Ortsumgehung im Osten auch herführen soll: Eine Protestbewegung der Bürger ist schon da. Jetzt formieren sich die Anwohner vom Eiger. Und SPD und Grüne müssen sich nach dem Aus für die L 19 überlegen, wen sie vor den Kopf stoßen wollen.
Dass die neue Landesregierung die große Umgehungsstraße im Mönchengladbacher Osten noch bauen will, glaubt offenbar nicht einmal mehr die Behörde, die seit mehreren Jahren mit viel Aufwand die Straße plant.
Der Landesbetrieb Straßenbau hat vergangene Woche der Stadtverwaltung einen Brief geschickt. Darin fragt die Behörde, ob die Stadt denn selbst die Straße überhaupt noch will. Eine Antwort hat sie bisher noch nicht bekommen. „Dazu gibt es noch kein abgestimmtes Meinungsbild“, sagt Planungsdezernent Andreas Wurff.
Klar ist: SPD und Grüne in Mönchengladbach wollten die Straße noch nie. Die neue Minderheitsregierung in Düsseldorf will jede Menge geplanter Straßen kippen – darunter auch solche, die bei Politikern und Bürgern als Segen empfunden werden. Das war bei der L 19 nie so. Viele Bürger, an deren Haus oder Garten die L 19 vorbeiführen würde, sind erleichtert. Die Bürgerinitiative „Nein zur L 19“ sieht einen aufreibenden Kampf belohnt. Auch in Giesenkirchen und vor allem in Schelsen sollen einige Sektkorken geknallt haben.
Dafür sind an anderer Stelle die Bürger hoch alarmiert. Zum Beispiel Carsten Blömker. Der 44-Jährige lebt mit seiner Frau und inzwischen zwei Kindern seit elf Jahren dort. „Ich bin hierher gezogen, weil ich die Ruhe gesucht habe. Autolärm kann ich auf den Tod nicht leiden“, sagt er. Doch käme die Ortsumgehung Ruckes, die sozusagen die kleinere Variante der L 19 ist, würde sie quasi hinter seinem Garten herführen. „Wir haben zwar gerade noch mal viel ins Haus rein gesteckt. Aber im Fall der Fälle würden wir wohl verkaufen“, sagt Blömker.
Auch sein Nachbar Roland Struzyna ist entsetzt. Vor allem darüber, dass auch die Entlastung für Ruckes durch Landschafts- und Wasserschutzgebiet führen würde. „Da wird doch eindeutig mit zweierlei Maß gemessen“, sagt er. Das will er sich nicht gefallen lassen. Die Anwohner vom Eiger, der Edmondsstraße und der Honschaften Stadt und Högden haben sich schon zusammengesetzt. „Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie der Landstrich zerstört wird“, sagt er. Eine Hoffnung bleibt ihm und den Nachbarn: „Vielleicht fehlt der Stadt einfach das Geld.“
Das könnte in der Tat ein Problem sein. Denn während die rund 15 Millionen Euro für die L 19 komplett vom Land bezahlt worden wären, ist es sehr unwahrscheinlich, dass Geld aus Düsseldorf für die rein kommunale Straße fließt. Sollte das Haushaltsloch die Pläne für die Ortsumgehung Ruckes beerdigen, hätte wieder eine Anwohnerschaft Grund zum Feiern.
Nur eine Gruppe, die seit vielen Jahren auf Abhilfe hofft, und sich so oft kurz vorm Ziel wähnte, würde dann in die Röhre gucken: die Bürgerinitiative Ortsumgehung Ruckes. „Hier muss endlich was passieren. Es ist absolut untragbar“, sagt Reiner Brenner. Er wohnt in einem 200 Jahre alten und denkmalgeschützten Fachwerkhaus und hat manchmal den Eindruck, dass die Lastwagen nicht am Haus vorbei, sondern durchs Haus donnern. „Das sind keine Erschütterungen mehr, das sind schon Detonationen“, sagt Brenner. Er sieht die Politik in der Pflicht. „Diejenigen, die uns jahrelang versprochen haben, etwas zu unternehmen, sitzen jetzt an Schlüsselpositionen. Jetzt sind sie am Zuge“, sagt Brenner.
Und SPD, Grüne und FDP haben die undankbare Aufgabe, auf jeden Fall eine der inzwischen zahlreichen Initiativen zu verprellen.
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