Mönchengladbach: Ladenhüter Gebrauchtwagen
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 17.04.2009Mönchengladbach (RPO). Bei vielen Händlern läuft das Geschäft mit gebrauchten Autos nur noch schleppend. Die Abwrackprämie sorgt dafür, dass Neuwagen fast zum selben Preis zu haben sind. Schnäppchen für Fahranfänger gibt es hingegen kaum noch.
Seit die Kunden die Autohäuser stürmen, um von der Abwrackprämie zu profitieren, hat Nijachzi Cabuk kaum noch etwas zu tun. Der Gebrauchtwagen-Händler hat seinen Platz voll mit Autos stehen. "Aber es läuft so gut wie gar nichts mehr", sagt er. Früher habe er jeden Monat sechs bis sieben Autos verkauft.
Jetzt so gut wie keines. "Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll", sagt er. Auch wenn es nicht überall so drastisch ist wie bei Nijachzi Cabuk – die Geschäfte der Gebrauchtwagenhändler laufen schleppend, seit die Umweltprämie auch Neufahrzeuge zum günstigen Preis ermöglicht. Zum Ladenhüter entwickeln sich vor allem Gebrauchte in der Preisklasse ab etwa 6000 Euro. Denn ab dieser Summe gibt es bereits Neuwagen.
Umweltprämie
Abwrackprämie Mehr als 1,2 Millionen Anträge auf die 2500 Euro Umweltprämie sind beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) bereits eingegangen. Die Antragswelle ebbte bereits stark ab.
Reservierung Die ersten Bestätigungen für Käufer, die sich die Prämie reservieren lassen haben, werden seit gestern verschickt.
Fahranfänger finden nichts
"Gerade bei den Mittelklasse-Fahrzeugen haben wir Schwierigkeiten", sagt Leszek Podolski. Sie kosten ähnlich viel, wie günstige neue Autos. Probleme in diesem Preissegment sieht auch Helmut Kloeters vom Autozentrum P&A. "Es ist ruhiger geworden." Das bestätigt Frank Mundt, Sprecher der Kfz-Mechaniker-Innung: "Die Nachfrage nach Wagen zwischen 5000 und 7000 Euro ist zurückgegangen."
Bestimmte Gebrauchtwagen sind nach wie vor begehrt – doch es gibt sie kaum noch: Preiswerte, alte Autos für Fahranfänger sind kaum noch zu finden. Die meisten dieser Fahrzeuge, die über neun Jahre alt sind, werden nicht mehr auf dem Markt angeboten. Vieles, was früher noch bis zu 3000 Euro Wert war, landet nun in der Schrottpresse.
"Die Preise für solche Wagen dürften sogar etwas anziehen", schätzt Mundt. Nachfrage herrscht auch für Gebrauchte bestimmter hochwertiger Marken. "Da ist im Segment von 3000 bis 6000 Euro noch Spielraum", erklärt Podolski.
Manch ein Kunde würde lieber einen gebrauchten deutschen Markenwagen fahren, als für den gleichen Preis den osteuropäischen oder asiatischen Billig-Kleinwagen zu kaufen. Podolski sieht aber noch ein Problem: Leasingfahrzeuge, die in diesem Jahr nach Ablauf des Vertrages vom Kunden zurück an den Händler gehen, werden nur schwer einen Käufer finden. Denn sie liegen genau in dem Preissegment, in dem auch Neuwagen angeboten werden.
Frank Mundt glaubt jedoch, dass sich durch die Umweltprämie langfristig aus volkswirtschaftlichem Blick Kosten einsparen lassen. Denn die neuen Wagen seien in der Regel sicherer als die verschrotteten Altfahrzeuge. Dass die Umweltprämie den Gebrauchtwagenhändler noch lange das Leben schwer machen wird, denkt Mundt nicht: "In einem halben Jahr wird sich alles beruhigt haben", ist er sicher.
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