Mönchengladbach: Land unter in Gladbach
VON RALF JÜNGERMANN UND ELFI VOMBERG - zuletzt aktualisiert: 29.06.2009Mönchengladbach (RPO). Eine halbe Stunde Starkregen reichte, um ganze Straßen einmal mehr versinken zu lassen. Die Feuerwehr pumpte hunderte Keller leer. Autofahrer saßen fest. Die Bahnstraße ist noch gesperrt. Neue Kanäle werden erst gebaut.
Anders als beim Jahrhundertregen am 29. Mai 2008 traf es am Samstag vor allem die nördlichen Stadtteile. Holt war am schlimmsten betroffen, auch in Winkeln, Hardt und Venn kämpften rund 160 Feuerwehrleute gegen die Wassermassen. Dafür blieb diesmal die Dohler Straße verschont.
Auf der Bahnstraße hingegen geht seit Samstag Nachmittag nichts mehr. Da die Straße unterspült wurde, ist sie auch heute noch gesperrt. "Was dort getan werden muss, wird erst im Laufe des Tages feststehen", erklärte NVV-Hauptabteilungsleiter Armin Marx gestern der RP. Auch die Senke der Waldnieler Straße und zwei Unterführungen am Nordpark liefen voll, waren aber schon gestern wieder passierbar.
Das Wasser stand im Erdgeschoss
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Genau 403 Einsätze verzeichnete die Feuerwehr binnen weniger Stunden. Keller aber auch Räume im Erdgeschoss standen voll Wasser. Einige Autofahrer mussten aus ihren Fahrzeugen befreit werden. Laut Feuerwehr-Sprecher Armin Taube mussten auch einige umgestürzte Bäume beseitigt werden. Die Polizei hatte viel Arbeit mit Gullydeckeln, die wieder befestigt werden mussten.
Für Heinz-Lothar Tempel ist die traurige Bilanz des Unwetters auf einem Container vor seinem Haus sichtbar: Einbauküche, Maschinen und Werkzeuge häufen sich dort. In seinem Haus an der Bahnstraße lief der Keller am Wochenende bis zur Decke voll Wasser. Die dort gelagerten Öltanks rissen aus der Verankerung, große Mengen Heizöl liefen aus. Während der Katastrophenschutz das Öl absaugte, war Heinz-Lothar Tempel das ganze Wochenende damit beschäftigt, seine Habseligkeiten zu retten.
"Das Problem ist für uns hier nicht neu. In ein paar Jahren bin ich ruiniert, wenn das so weiter geht", erklärt der 58-jährige Holter, der nach Kellerüberflutungen regelmäßig mit Umbaumaßnahmen beschäftigt ist. "Ich habe dieses Haus noch nicht so lange, habe umgebaut, und jetzt werde ich hier einfach weggeschwemmt", sagt Tempel fassungslos.
Auch Heinz Vaehsen hatte am Wochenende alle Hände voll zu tun. Er musste zur Rettungsaktion seiner Mitarbeiterin ins Büro an der Bahnstraße. "Sie war dort eingeschlossen und kam nicht mehr heraus, weil unten alles voller Wasser stand", erklärt Vaehsen, der sich inzwischen auf dieses Problem eingestellt hat und mit Gummistiefeln bewaffnet sofort ins Büro eilte. "Es war eine Frage der Zeit, bis es bei uns wieder so weit sein würde." Einige Waren im benachbarten Schlecker-Markt wurden in Mitleidenschaft gezogen.
Nach den letzten starken Unwettern war aufgrund des Protests der Anwohner die Reihenfolge der Kanalsanierungen geändert worden. Das hilft auch den Anwohnern an der immer wieder betroffenen Dohler Straße – allerdings erst Ende kommenden Jahres. Sie hoffen nun, bis dahin von starken Gewittern verschont zu bleiben.
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