Mönchengladbach: Leben wie in der Großfamilie
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 06.03.2007Mönchengladbach (RPO). Die jüngsten Bewohner sind wenige Monate alt, die älteste Mieterin ist 82 Jahre. An der Bachstraße wurde gestern ein Mehrgenerationenhaus eingeweiht und gesegnet. Auf dass der Geist der Gemeinsamkeit einziehe.
29 Jahre lang haben Anneliese und Hans Schnock an der Waisenhausstraße gelebt. „Gerne“, wie beide versichern. Aber irgendwann seien die 53 Stufen zu ihrer Wohnung im dritten Stockwerk einfach zu viel geworden. „Wir haben es beide in den Gelenken, wissen Sie“, sagt Anneliese Schnock.
Das Ehepaar wollte gerne in der Rheydter Innenstadt wohnen bleiben. Da kam das Mietangebot im Mehrgenerationenhaus an der Bachstraße gerade recht. Ende vergangenen Jahres zogen sie um. „Wir haben es keine Minute bereut“, sagt Anneliese Schnock. „Mein Mann ist 75 Jahre alt und fährt kein Auto mehr. Hier haben wir alle Geschäfte in der Nähe. Und die Nachbarn sind wirklich sehr nett.“
19 Erwachsene, elf Kinder wohnen in den beiden barrierefreien Häusern an der Bachstraße. Die älteste Bewohnerin ist 82 Jahre alt, die jüngste gerade erst ein paar Monate. Alle Wohnungen (zwischen 63 und 104 Quadratmeter groß) haben breite Türen, damit Rollstühle und Kinderwagen durchpassen, die Duschen sind ebenerdig, im Bedarfsfall kann jede Wohnung an ein Notrufsystem angeschlossen werden, und im Gemeinschaftsraum ist täglich eine Kraft vom ambulanten Dienst für zwei Stunden für hilfe- und ratsuchende Bewohner der beiden Häuser da.
Farida Zarioh, Mutter von zwei Kindern und aus Marokko stammend, hat im Gemeinschaftsraum schon für alle Bewohner Kuchen angeboten. „Der ist ganz anders als deutscher“, sagt Anneliese Schnock, „aber sehr lecker“. Farida Zarioh überlegt sich, ob sie nicht jeden Monat einmal Spezialitäten aus ihrer Heimat für alle kochen soll, „weil die Menschen hier so hilfsbereit sind“.
Als die LuJa-GmbH das Grundstück an der Bachstraße kaufte, war Geschäftsführer Dieter Jansen schnell klar, dass hier ein Mehrgenerationenhaus entstehen sollte. „Meine Schwiegermutter ist beinamputiert, und ich habe mir vorgestellt, wie es ist, wenn man aus seiner Wohnung heraus muss, nur weil man in der Bewegungsfreiheit eingeschränkt ist“, sagt er. Im LuJa-Haus an der Bachstraße könnten sie Menschen bleiben, auch wenn sie auf Hilfe angewiesen sind. Denn dort setzt man auf Nachbarschaftshilfe. Die Jüngeren tragen die schweren Einkäufen, die Älteren passen auch einmal auf die Kinder auf. Aber auch Profi-Dienstleistungen werden koordiniert. Um das Zusatzpaket kümmert sich der Verein Pro Service. Die Mitglieder, alles kleine und mittelständische Unternehmen, bilden ein branchenübergreifendes Netzwerk.
Knie-Operation
Für Anneliese Schnock hat sich der Umzug schon bewährt. Gerade hat sie eine Knie-Operation hinter sich. „Mit meinen Krücken wäre ich nie durch eine normale Tür gekommen.“ Es sei ein schönes Gefühl, Hilfe zu bekommen, wenn sie gebraucht werde. „Ich würde auch auf Kinder aufpassen. Ich habe einen achtjährigen Enkel. Da habe ich Erfahrung“, sagt sie und lacht.
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