Mönchengladbach: Lehrlinge sind losgesprochen
VON NADINE FISCHER - zuletzt aktualisiert: 30.03.2009Mönchengladbach (RPO). Die leidige Frage "Was soll ich bloß anziehen?" musste sich Judith Wachtling gestern Morgen nicht stellen. Das stand nämlich außer Frage: In ihrer Handwerkskluft kam die 23-Jährige standesgemäß vormittags zur Lehrlingslossprechung der Kreishandwerkerschaft in die Rheydter Stadthalle. Schwarze Hose mit zwei Reißverschlüssen, schwarze Weste- und Jacke, weißes Hemd. "Mein Meister hat gesagt, das macht man so", erzählte die Jahrgangsbeste unter den Zimmerern 2008. Gleich neben der jahrgangsbesten Friseurin Anja Claßen (22) saß Judith Wachtling in der ersten Reihe, mit traumhafter Sicht auf das Rednerpult und das Jugendblasorchester der Musikschule Mönchengladbach. Insgesamt waren die vordersten sieben Reihen für die jungen Gesellen reserviert. Rund 300 wurden gestern losgesprochen, etwa 200 von ihnen waren in die Stadthalle gekommen. Neben Judith Wachtling und Anja Claßen ehrte Siegfried Schrempf, Vizepräsident der Handwerkskammer Düsseldorf, noch 14 weitere Jahrgangsbeste in Handwerksberufen wie Sattler, Automobilkaufmann oder Anlagenmechaniker. "Ich habe gar nicht damit gerechnet, Jahrgangsbeste zu werden", gab Judith zu. Schließlich konnte sie sich nicht voll auf die Abschlussprüfungen konzentrieren, denn ganz nebenbei studiert sie auch noch Bauingenieurwesen in Wuppertal. "Vereinfacht gesagt, habe ich die Berufsschule durch die Uni ersetzt" erklärte die 23-Jährige. Während sie jetzt erstmal weiter studiert, fängt für Anja Claßen der Berufsalltag an. Dass sie Jahrgangsbeste sei, "macht mich schon stolz", sagte Anja, die mit der Friseurlehre bereits die zweite Ausbildung beendet hat. Als Kosmetikerin und Friseurin arbeitet sie bald in einer Mönchengladbacher Parfümerie. Zwar liegen beider Prüfungen schon ein dreiviertel Jahr zurück, aber "das ist der erste Tag, an dem ich mich richtig als Geselle fühle", meinte Judith Wachtling. Nach der Lossprechung ging sie gemeinsam mit den anderen Jahrgangsbesten auf die Bühne und holte sich ihre Urkunde ab. Alle Festredner hatten sich neben der Gruppe postiert, darunter Kreishandwerksmeister Reinhard Esser, Oberbürgermeister Norbert Bude und Borussias Präsident Rolf Königs. Egal, wer an diesem Vormittag das Mikrofon in die Hand nahm, sie alle hatten dieselbe Botschaft an die Gesellen: Sie sollen sich weiter bilden und eventuell noch ihren Meister machen.
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