Mönchengladbach: Leitbild: Budes zweiter Versuch
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 29.05.2008Mönchengladbach (RPO). Wolkig war der erste Entwurf des Oberbürgermeisters. Nächste Woche stellt Bude sein Leitbild für die Stadt mit konkreten Forderungen vor. Er nimmt die Politik in die Pflicht, zum Beispiel bei Haus Westland und Friedhöfen.
Haus Westland wird zum zentralen Standort der Verwaltung. Die Politiker sollen sich schnell entscheiden, welche Friedhöfe geschlossen werden. Das sind zwei der konkreten Vorschläge, die Oberbürgermeister Norbert Bude in der neuen Kurzfassung des Leitbilds macht. Beide sind spannend und folgenreich.
Bislang galt die unverrückbare Maxime, dass die Verwaltung nur dann ins Haus Westland zieht, wenn dort neu gebaut wird. Eigentlich kann der Satz also nur bedeuten, dass der Investor, die britische Numisma-Gruppe, gegenüber dem Bahnhof nun doch ein neues Bürogebäude bauen will. Dazu mochte sich Bude gestern nicht äußern. „Wir sind in Gesprächen mit dem Investor“, sagte er der RP lediglich.
Friedhöfe schließen
Mit dem Vorschlag, über die Friedhöfe zu entscheiden, spielt Bude den Ball zurück zur Politik. Die hatte ihn wegen seines allzu luftigen und allgemeinen Leitbilds verspottet. Nun macht Bude konkrete Vorschläge, und zwar zum Teil solche, von denen er weiß, dass sie gerade der CDU weh tun. Die in den Stadtteilen stark verwurzelte CDU tut sich schwer, relativ kurz vor den Wahlen die Schließung einzelner Friedhöfe zu verantworten. Das fordert Bude aber. Bis Ende nächsten Jahres müsse entschieden sein, wie es mit den Friedhöfen weiter geht.
Der Oberbürgermeister legt Wert darauf, dass er sein 20 Seiten langes Leitbild nicht verworfen habe. „Die Langfassung ist unverändert“, so Bude gegenüber der RP. Es gebe auf Wunsch der Politik nun aber zusätzlich eine Kurzfassung mit drei bis fünf konkreten Aufgaben zu jedem der sieben Handlungsfelder. Die Parteien kennen die neue Version noch nicht. Sie bekommen sie nächste Woche mit den Ratsunterlagen geschickt.
Bude würde gerne in der Sitzung am 11. Juni über das Leitbild abstimmen lassen. Ob es dazu kommt, ist allerdings fraglich. Dazu ist das Thema längst zu sehr zum symbolischen Streitpunkt zwischen der CDU und dem SPD-Oberbürgermeister geworden. Und das ist eine denkbar schlechte Voraussetzung, wie der Leitbild-Experte Professor Heinrich Wottawa der RP erklärte. Der Bochumer Psychologe ist kommende Woche Gastredner beim Fünf-Uhr-Tee des Gladbacher Organisationspsychologen Prof. Gerhard Comelli.
Wottawa hat zahlreiche Großunternehmen bei ihren Leitbildern beraten. Ein Leitbild für eine Stadt könne nur gelingen, wenn Verwaltung und Politik parteienübergreifend zusammenarbeiten, so Wottawa. Leistungsversprechen für eine ganze Stadt seien per se schwierig. Schließlich müsse eine Stadt ihren Bürgern in vielen Bereichen Angebote machen.
Eine Kommune, die von sich behaupte, Sportstadt zu sein, müsse auch mehr Geld für Sport ausgeben. „Und damit weniger zum Beispiel für Familien.“ Wottawa weiß: „Viele Versuche für Leitbilder werden zwischen Politik und Verwaltung zerrieben.“
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