Mönchengladbach: Lernen macht glücklich
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 16.05.2009Mönchengladbach (RPO). Deutschlands bekanntester Hirnforscher, Professor Manfred Spitzer, bescherte knapp 200 Zuhörern bei den Wirtschaftsgesprächen verblüffende Einsichten. Seine Forschungsergebnisse lassen sich im Alltag umsetzen.
Geld macht einsam. Angst hemmt die Kreativität. Und Lernen macht glücklich. Das würde mancher zu gerne als banale Kalenderblatt-Weisheit oder bloßen Humbug abtun. Bloß: All dies ist längst bewiesen. Und zwar wissenschaftlich fundiert. Da kann man den Stolz von Professor Manfred Spitzer, das Gehirn sei das wichtigste Organ des Menschen, schon verstehen. Denn all diese Erkenntnisse beruhen auf der systematischen Untersuchung des Gehirns.
Nun sind Synapsen, Hirnrinde und Hemisphären gemeinhin nicht gerade das geborene Thema für die lockere Abendkonversation. Doch wenn Spitzer über das Gehirn spricht, diesen paradoxen Schuhkarton, in den um so mehr hineinpasst desto mehr man hinein steckt, dann ist das ein staunenswert müheloser Spagath zwischen wissenschaftlichem Anspruch und Unterhaltung.
Da kommentiert Spitzer Folien zu komplexesten neurobiologischen Zusammenhängen mit flapsigen Sprüchen und ist stets zugleich enthusiastischer Forscher und Entertainer. Und da zwangsläufig so viele seiner Erkenntnisse mit Lernen zu tun haben, wird einem das Elend des Bildungssystems überdeutlich. Denn das Gehirn ist nicht nur so konstruiert, das Menschen nahezu unendlich viel lernen können, es macht ihnen auch Freude – wenn man sie ihnen nicht automatisch austreibt. "Die Schule ist nicht der Ernst des Lebens, sondern das Glück des Lebens", so Spitzer. Dass Angst das Denken erschwert, können die Hirnforscher im Gehirn nachforschen. Der Mandelkern sorgt dafür, dass man mit Angst nicht gut denken kann. Da sie Mathematik einst nur unter Androhung von Strafen lernten, ist die Disziplin auch hochintelligenten Menschen auf alle Zeit verleidet. Das Gehirn hat abgespeichert: Mathematik = Angst. Dass immer mehr Jugendliche gewalttätig werden, erstaunt Spitzer nicht. Sie hätten es systematisch gelernt, so Spitzer. Tausende von Malen hat ein durchschnittlicher Jugendlicher heute vor dem TV- oder Computer-Bildschirm gezeigt bekommen: Gewalt ist normal, alternativlos und ohne Folgen. Das prägt sich im Gehirn ein. Genau, wie es nachweisbare Folgen hat, ob es in einer Stadt sauber oder schmutzig ist. Wird eine soziale Norm verletzt und prangen Graffiti an den Wänden, steigt die Bereitschaft zum Diebstahl.
Spitzers Parforce-Ritt durch die Hirnforschung bescherte überraschende Erkenntnisse: Doch noch mehr, als dass ein Baby nachweislich bereits mit sieben Monaten beginnt, Grammatik zu lernen, dürfte die zahlreichen Unternehmer im Publikum dieses interessiert haben: Schon der Gedanke an Geld reduziert soziales Verhalten. Das heißt: Wer ein vertrauensvolles Verhältnis aufbauen will, spricht lieber nicht über Geld.
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