Mönchengladbach: Letztes Gebet auf dem Markt
VON JAN DREBES - zuletzt aktualisiert: 18.09.2010 - 09:34Mönchengladbach (RPO). Auf dem Eickener Markt beteten Freitag Anhänger des islamischen Vereins "Einladung zum Paradies" und hielten Kundgebungen ab. Künftig werden die Gebete auf dem Moscheegelände stattfinden. Die Bürgerinitiative zog demonstrierend zum Stadttheater. Vertreter wollen einen Verein gründen.
Gerade, als die rund 200 Anhänger des islamischen Vereins "Einladung zum Paradies" (EZP) ihr Freitagsgebet auf dem Eickener Marktplatz beginnen wollen, setzt starker Regen ein. Hastig werden die Plastikplanen zusammengerafft, die Gebetsteppiche eingerollt und stattdessen unter dem Vordach der Mehrzweckhalle ausgebreitet.
Muhamed Ciftci steht vor den Gläubigen. Er ist der erste Vorsitzende des Vereins und gerade von einer Pilgerreise zurückgekehrt. Drei Wochen lang war er weg, jetzt kann er die Entwicklungen der Diskussion um die Islamschule wieder hautnah miterleben.
Die Äußerungen und Argumente bleiben aber von ihm und den weiteren Rednern des Nachmittags, Sven Lau und Pierre Vogel, beim alt Bekannten. Man wolle nichts Böses, man habe nichts mit Extremisten zu tun und die Eickener Bürger seien herzlich eingeladen, sich bei dem Verein umzuschauen, sagt Ciftci.
Neue Entwicklungen
Zelt Die Zeltfläche auf dem Moscheegelände darf nicht größer als 100 Quadratmeter sein, um die Nutzungsauflagen einzuhalten.
Gründung Die Bürgerinitiative gründet einen Verein, um Spenden annehmen zu können.
Neu ist allerdings, dass ab kommendem Freitag das Gebet des Vereins auf dem Gelände der Moschee in der Eickener Straße abgehalten werden soll. Heute wird dafür ein Zelt errichtet. "Darin können wir unterkommen, ohne gegen die Nutzungsauflagen zu verstoßen. Bis in vier Monaten, wenn die Moschee voraussichtlich wieder geöffnet sein wird, reicht das", sagte Muhamed Ciftci.
Um kurz vor 17 Uhr beendeten die Anhänger von EZP ihre Kundgebungen. Verschleierte Frauen hatten am Rand der Veranstaltung Plakate hochgehalten. Kurze Zeit später versammelt sich die Bürgerinitiative. Als deren Sprecher Wilfried Schultz das Wort ergreift und die auch nicht mehr ganz neuen Argumente der Bürgerinitiative gegen die geplante Islamschule vorträgt, gibt es lautstarke verbale Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Muslimen.
Die Polizei stellt sich dazwischen, redet mäßigend auf die erhitzten Gemüter ein. Auch Reinhard Louis versucht zu schlichten. Der 59-Jährige Saarländer konvertierte bereits vor 25 Jahren zum Islam. Weil im Laufe des Tages häufig Diskussionen um den Begriff "Salafisten" entbrannt waren, versucht er eine Definition: "Ich lebe den Islam als Sunnit streng nach dem Koran in seiner ursprünglichen Form. Wenn das ,salafi’, also orientiert an den Altvorderen bedeutet, dann bin ich Salafist", sagt Louis.
Die Situation auf dem Platz beruhigt sich, als die 160 Anhänger der Bürgerinitiative ihren Demonstrationszug zum Stadttheater beginnen. Sie wollen am Montag um 19 Uhr im Theater im Gründungshaus einen Verein gründen.
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