Mönchengladbach: Liz Busch: Königin von Santrokofi
VON ANSGAR FABRI - zuletzt aktualisiert: 13.01.2009Mönchengladbach (RPO). Eine große Ehre wurde der Rheydterin Liz Busch, Mutter von Erfolgsautorin Charlotte Roche (Feuchtgebiete),
zuteil: Als Anerkennung für die Kinderhilfsprojekte, die sie ins Leben rief, wurde Busch zur Königin „Nana Dansuwa I.“ gekrönt.Es klingt wie ein Märchen: Bis 2006 lebte Liz Busch in Rheydt, jetzt wurde sie in Ghana zur Königin „Nana Dansuwa I.“ gekrönt. Der Name geht auf das vor 90 Jahren verstorbene, bedeutende Oberhaupt Nana Dansuaa I. (die männliche Form des Namens) zurück. Es ist eine große Ehre als Anerkennung für die Kinderhilfsprojekte, die die gebürtige Britin vor drei Jahren ins Leben rief. Während die Tochter von Liz Busch, Charlotte Roche, mit ihrem Romandebüt „Feuchtgebiete“ in Deutschland die Bestsellerlisten stürmt, hat die inzwischen 59-jährige Busch in Afrika „Kids’ Corner“ gegründet: ein Kinder-Bildungszentrum in dem Ort Hohoe.
Vor einem Jahr wandten sich die Oberhäupter und Ältesten der fünf Kilometer von Hohoe entfernten Gemeinde Santrokofi an Busch: Ob sie nicht ein weiteres „Kids’ Corner“ in deren Dorf errichten könne? Busch tat es. Am 28. Dezember, zwei Tage nach ihrem Geburtstag, eröffnete sie das Zentrum. Das war auch der Tag ihrer Krönung. Ein buntes Großereignis, mit dem Busch nie gerechnet hätte, als sie sechs Wochen zuvor einen Anruf bekam: Die Ältesten des Ortes wollten sie treffen, am nächsten Morgen, um sieben Uhr.
Musikkapellen und ein Chor
Am Treffpunkt unter einem riesigen Mangobaum warteten 20 hochbetagte Männer, ehemalige Lehrer und Beamte, wie Busch sich erinnert. Man hatte sich entschlossen, sie zur Königin von Santrokofi zu ernennen. „Es war alles ganz kurz, formal und sachlich“, beschreibt Busch es heute. „Ich habe fast gar keine Informationen bekommen können. Viele Menschen, die ich um Rat gefragt hatte, waren noch nie bei einer Krönung gewesen. Ich bin zunehmend nervös geworden. Ich wusste nur, dass ich eine Rede halten soll“, erzählt Busch.
Am Tag der Krönung fühlte sie sich noch nervöser als die Tage zuvor. Mit einigen freiwilligen Helfern ging es in einem rostigen Bus zum Ort der Zeremonie. „Ich war bei meiner Ankunft schockiert zu sehen, wie viele Menschen sich versammelt hatten – vielleicht 1000 – auf einem Platz in einem kleinen Waldstück, geschmückt mit Luftballons und bunten Schleiern. Zwei Musikkapellen und ein Chor waren dort.“ Festreden, Tanz und Musik folgten, dann bat man Busch auf das Podium und hüllte sie in edle Stoffe. Der „Chief“ überreichte ihr Geschenke, ein Zertifikat und legte ihr eine Schärpe um, bevor sie auf dem Thron Platz nahm.
Tränen der Rührung flossen bei Busch, als „ihre“ Kinder sich um sie scharten, während die Pressefotografen ihre Bilder machten. „Dann habe ich meine Rede gehalten, trotz der Tränen“, erinnert sich Busch. Heute noch verbeugen sich Menschen, wenn sie ihr begegnen. Liz Busch hofft, dass das bald aufhört. „Ich als Engländerin bin schon seit Jahren Gegnerin der königlichen Familie. Jetzt bin ich selbst eine Königin“, stellt sie die Ironie fest. „Doch ich hatte den Eindruck, dass ich diese Ehre nicht ablehnen konnte“, sagt die Königin Nana Dansuwa I.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







