Mönchengladbach: LKA: Rockerfrieden ist vorbei
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 03.02.2012Mönchengladbach (RP). Nach der Massenschlägerei zwischen "Hells Angels" und "Bandidos" in der Altstadt schließt das Landeskriminalamt weitere gewalttätige Konfrontationen nicht aus. Das wurde gestern im Innenausschuss deutlich. Auch in Mönchengladbach wurden die Polizeikontrollen verstärkt.
Warum 20 bis 30 Mitglieder und Anhänger der Hells Angels sowie 30 bis 40 Männer der Bandidos am 21. Januar in der Altstadt mit Messern und anderen Waffen aufeinander losgingen, ist noch immer nicht genau geklärt. Doch die Massenschlägerei der verfeindeten Rockergruppen und nachfolgende Anschläge sind für das Landeskriminalamt (LKA) ein Zeichen dafür, dass der medienwirksam geschlossene "Friedensvertrag" zwischen Hells Angels und Bandidos nicht mehr gilt. Das wurde gestern in der Sitzung des Innenausschusses in Düsseldorf deutlich. Auf Antrag der SPD war das Thema "Gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Rockerbanden" kurzfristig auf die Tagesordnung genommen worden.
Wie Innenminister Ralf Jäger mitteilte, waren an der Konfrontation in Mönchengladbach nicht nur Bandidos und Hells Angels beteiligt, sondern auch Mitglieder der Rockerclubs "Outlaws" und "Gremium MC" aus Mönchengladbach. Die Vielzahl der Tatbeteiligten aus der Szene deute darauf hin, "dass gezielt eine Auseinandersetzung gesucht" wurde.
Bereits im August vergangenen Jahres, als der für zwölf Monate Geschlossene "Friedensschluss" bereits abgelaufen war, sei es zu ersten Auseinandersetzungen zwischen Hells Angels und Bandidos in den östlichen Ländern gekommen. In NRW blieb es ruhig – bis zu dem Vorfall in Mönchengladbach. Danach häuften sich die wechselseitigen Gewalttaten. Im Land geht man von Racheakten aus, n das Landeskriminalamt spricht von "Reaktionen" auf das Geschehen in Mönchengladbach.
Wie Jäger weiter mitteilte, erlangen die so genannten "Supporter" (Unterstützer) von Hells Angels und Bandidos im Rheinland und im Ruhrgebiet zunehmend an Bedeutung. Auffällig bei den Supportern sei einerseits der hohe Anteil "an Personen mit Migrationshintergrund, andererseits die Häufung krimineller Biografien". Auch in Mönchengladbach sollen viele Türken und Libanesen an der Schlägerei beteiligt gewesen sein. Die Zahl der Unterstützer von Hells Angels und Bandidos wächst nach Einschätzung des Landeskriminalamtes. Und offensichtlich könnten die etablierten Rockerclubs ihre Supporter nur eingeschränkt kontrollieren. Das sei riskant.
Die Polizei nehme die aktuellen Straftaten in der Rockerszene in Mönchengladbach, Oberhausen, Recklinghausen und Hamm sehr ernst, wie Jäger betonte. Bei der Bekämpfung der Rockerkriminalität gelte "Null Toleranz", auch bei geringfügigen Verstößen werde die Polizei konsequent eingreifen. In Mönchengladbach wurden und werden Einsatz- und Kontrollmaßnahmen verstärkt.
Wie SPD-Landtagsabgeordneter Hans-Willi Körfges gestern mitteilte, habe Jäger ein regionales Verbot von gewalttätigen Rockergruppen nicht ausgeschlossen.
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