Mönchengladbach: Mängel im neuen Finanzamt
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 16.06.2009Mönchengladbach (RPO). Stolperfallen, fehlende Aufzüge, ein nicht funktionierender Briefkasten: Die Fusion der Finanzämter Gladbach und Rheydt vollzog sich unter widrigen Umständen. Gestern wurde das neue Gebäude übergeben.
Wenn Gebäude und Einrichtungen eingeweiht werden, ist das in der Regel ein Grund, sich gegenseitig auf die Schulter zu klopfen und zu loben. Etwas anders war es gestern bei der Schlüsselübergabe für das neue Finanzamt im Nordpark. Da hätten NRW-Finanzminister Helmut Linssen die Ohren geklungen, wenn er die Kritik des Personalratsvorsitzenden Holger Klonisch mitbekommen hätte.
Doch Linssen war nicht da, sondern verhandelte in Berlin über die Bad Bank. Statt seiner kam Staatssekretärin Angelika Marienfeld. Sie bekam Klonischs ganzen Ärger ab. Von "katastrophalen Bedingungen" berichtete er, die den Einzug in das neue Haus begleitet hätten und für die 370 Mitarbeiter zur Tortur wurden. "Was sich hier abgespielt hat, bedarf keiner Wiederholung", sagte der Personalratsvorsitzende.
Verwaltungseinheiten bündeln
Dabei schien der Plan sehr durchdacht gewesen zu sein. Das Land will Verwaltungseinheiten bündeln und richtet unter anderem so genannte Finanzamtszentren ein. Die gibt es bereits in Essen und Aachen. Das Mönchengladbacher ist das dritte und kostete rund 18 Millionen Euro. Dafür wurden die Finanzämter Gladbach und Rheydt aufgelöst und im Nordpark vereinigt. Dazu kommt das Finanzamt für Groß- und Konzernbetriebsprüfung. Ein großes Gebilde, das auf rund 11 000 Quadratmetern direkt zwischen Borussia-Stadion und Hockeypark angesiedelt ist. Mehr als 300 Parkplätze stehen hier für 110 000 Steuerpflichtige und 26 600 Gewerbetreibende zur Verfügung.
Doch mit den Baumacken hatte wohl keiner im Vorfeld gerechnet. Als die Finanzamtsmitarbeiter die Akten aus 8500 Umzugskartons von Büro zu Büro schleppten, gab es, so berichtete Klonisch, nur einen Hilfsaufzug. Die Beleuchtung habe teilweise gefehlt, frei liegende Kabel seien gefährliche Stolperfallen gewesen, der Innen- und Trockenausbau habe Mängel und der Briefkasten vor der Tür nicht richtig funktioniert. Da gab es einen "üppigen Arbeitsrückstand", schilderte Klonisch, den die Mitarbeiter aber mit viel Einsatz abgearbeitet hätten. Die widrigen Umstände, unter dem sich die Fusion der beiden Finanzämter und der Umzug vollzog, stellte auch der neue Vorsteher des Fusionsamtes, Michael Börner, schnell fest, als er aus Mülheim nach Mönchengladbach beordert wurde. Dies aus gutem Grund: Denn Börners herausragende Integrationskraft betonte sein Chef, Oberfinanzpräsident Ulrich Müting, ausdrücklich.
Immerhin: Die Staatssekretärin entdeckte im Umfeld einige freie Bauflächen – genügend Platz für Unternehmen, die sich in Finanzamtsnähe ansiedeln wollen. Eine Baustelle ist eröffnet, drei weitere werden, so OB Norbert Bude, in diesem Jahr noch folgen. Die Stadt nutzt übrigens das alte Finanzamt Rheydt für ihre Verwaltung.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






