Mönchengladbach: Männer könn(t)en länger leben
VON NADINE FISCHER - zuletzt aktualisiert: 04.12.2008Mönchengladbach (RPO). Sieben Jahre, das sind rund 2555 Tage. Für deutsche Männer hat diese Zeitspanne eine ganz spezielle Bedeutung: sie leben nicht selten genau so viel kürzer als Frauen. Das haben unter anderem aufmerksame Urologen und Internisten beobachtet. „Frauen werden im Durchschnitt 81 Jahre alt, Männer sterben sieben Jahre früher“, sagt Prof. Ludwig Knebel. Irgendwelche genetischen Gründe gebe es dafür nicht, ergänzt der Chefarzt der Urologie an den Städtischen Kliniken Mönchengladbach. Das heißt: Männer können selbst einiges dafür tun, dass sie genau so lange leben wie Frauen.
Das Testosteron sei mit schuld daran, dass Männer früher sterben, sagt Knebel. „Es sorgt bei den Männern für den Dampf, die Grundaggressivität“, erläutert er. Dadurch hätten sie eher den Drang, sich zu beweisen und seien wagemutiger – und das kann gefährlich werden. „Zum zweiten denken Männer häufig, dass sie nicht krank werden dürfen, weil sie ja arbeiten und Geld verdienen müssen“. Deshalb gingen sie auch nicht zu Vorsorgeuntersuchungen. „Einige denken auch, dass sie es nicht nötig haben, etwas für ihre Gesundheit zu tun. Bei Frauen ist das anders“, weiß der Urologe.
Männer bringen sich öfter um
Auch der Lebenswandel der Männer spiele in Bezug auf die Lebenserwartung eine große Rolle, ergänzt er. Bei Männern sei zudem die Selbstmordrate sechsmal höher als bei Frauen, weiß der Mediziner und bezieht die Zahl vor allem auf Rentner, die plötzlich ohne Arbeit erst mal in ein tiefes Loch fallen. Professor Knebel rät dazu, regelmäßig zur Vorsorge zu gehen, gesund zu essen, nicht zu rauchen und sich ausreichend zu bewegen. „Bewegung erhöht den Testosteronspiegel“, so Knebel. Testosteron macht zwar wagemutig, das Hormon sei aber auch wichtig für das blutbildende System, Muskeln und den Knochenstoffwechsel. Bei Mangel kann das Osteoporose-Risiko steigen, zudem können Männer „depressiv und weinerlich“ werden.
Wer seinen Lebenswandel dahingehend ändert, kann der Statistik ein Schnippchen schlagen: „Drei bis vier von den sieben Jahren lassen sich aufholen, wenn man spätestens als 40-Jähriger anfängt“, sagt Knebel. Doch auch zum Beispiel als 70-Jähriger sei es noch nicht zu spät, auch in diesem Alter ließe sich unter anderem das Krebsrisiko vermindern. Und vielleicht werden Männer 2050 schon im Durchschnitt 86 Jahre alt – so hoch soll dann jedenfalls die durchschnittliche Lebenserwartung für Frauen sein.
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