Mönchengladbach: Mahnwache vor Eisengießerei
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 02.12.2008Mönchengladbach (RPO). Angst vor der Insolvenz herrscht bei den 200 Beschäftigten der EGM Automotive, ehemals Monforts: Falls ein vom Land NRW bewilligter Kredit nicht bald ausgezahlt werden kann, könnte die Produktion bald still stehen.
Traditionsunternehmen
Eisengießerei 1897 gegründet. 2004 verkaufte die Familie Monforts die Gießerei an Investoren. 2006 Insolvenz. 2007 kauft die Alucast-Gruppe die Firma.
Unabhängig von der heutigen Firma EGM ist der Werkzeugmaschinenbauer A. Monforts, der in diesem Jahr nochneue Märkte erschloss.
Vor dem Betriebsgelände des Unternehmens an der Schwalmstraße halten die 200 Beschäftigten der EGM Automotive seit heute morgen abwechselnd Mahnwache. „Unsere Arbeitsplätze sind gefährdet“, sagte Betriebsrat Ahmet Özkan. Schon Ende Dezember könnten die Ofen ausgehen, fürchtet die Industriegewerkschaft Metall. „Ich kann eine weitere Insolvenz nicht ausschließen“, sagte auch Wilhelm Kallen, Berater der EGM und ehemaliger Geschäftsführer in der Eisengießerei. Der Stillstand droht durch Geldmangel: Das Land NRW hat durch eine Bürgschaft zwar einen Kredit über 3,5 Millionen Euro für das Unternehmen bewilligt. Doch die Volksbank kann das Geld nicht auszahlen. Die indische Firma benötigt einen deutschen Partner, um den Kredit zu erhalten. Der neue Gesellschafter könnte aus Süddeutschland kommen: Gestern führte der kaufmännische Leiter von EGM, Wolfgang Blase, mit einem mittelständischen Autozulieferer Gespräche. „Sie waren konstruktiv und positiv“, erklärte Blase der RP.
Inder übernahm insolvente Firma
Im Sommer vergangenen Jahres ist die insolvente Eisengießerei Monforts von der indischen Gießerei-Gruppe Alucast gekauft worden. Der neue Geschäftsführer Sanjay Bichu investierte in das 1897 gegründete Traditionsunternehmen bereits acht Millionen Euro. Zu den Kunden von EGM gehören unter anderem Porsche, VW und Mercedes. Damit der Autozulieferer, der lange Jahre angeschlagen war, neue Aufträge bekommt, müsse nun verstärkt in die Entwicklung und Modernisierung investiert werden, „um den Anschluss wieder zu bekommen“, sagte Kallen. Auch die allgemeine Krise setzt dem Unternehmen zu. Der Kredit soll Abhilfe schaffen. Dafür wurde auch ein Business- und Sanierungsplan durch einem unabhängigen Unternehmensberater erstellt. „Aber es stimmt, es sind noch nicht alle Auflagen erfüllt. Und die Bank hat dafür Sorge zu tragen, dass sie erfüllt werden“, sagte Blase. Dennoch habe er auch Verständnis für die Sorgen und die Mahnwache der Belegschaft. „Ich hoffe, dass die Volksbank verständnisvoll mit dem Hilfeschrei der Mitarbeiter umgeht“, sagte der kaufmännische Leiter.
Die Familie Monforts als ehemaliger Eigentümer hat bereits signalisiert, dass sie nicht daran interessiert ist, als Gesellschafter einzusteigen. „Aber wir sind ebenfalls bemüht, einen Gesellschafter zu finden und ihm den Einstieg, etwa durch Mietvergünstigungen, schmackhaft zu machen“, sagte Christian Monforts von Hobe.
Die Volksbank betont, dass sie sich ihrer Verantwortung der 200 Mitarbeiter gegenüber sehr bewusst ist und nach wie vor zu ihrer Zusage stehe. Dass sie nicht zahle, hänge ausschließlich „mit aktuellen Entwicklungen und weiteren Auflagen des Landes NRW im Rahmen der bewilligten Bürgschaft zusammen, die derzeit nicht erfüllbar sind“, sagte Heinz-Wilhelm Hermeling, Vorstand der Volksbank.
Die Gewerkschaft IG Metall sieht das anders: Die Sicherung der Arbeitsplätze müsse Vorrang vor unerfüllbaren Auflagen haben.
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