Mönchengladbach: Manolos Trommel ist für immer verstummt
VON KARSTEN KELLERMANN UND INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 03.05.2008Mönchengladbach (RPO). Manolo ist tot. Der wohl bekannteste Stadion-Trommler, der eigentlich Ethem Özenrenler hieß, ist im Alter von 69 Jahren nach langer schwerer Krankheit gestorben. Vergessen wird der Mann, der in den 60er Jahren als Gastarbeiter von der Türkei nach Mönchengladbach kam, sicher niemals.
Denn er hat auf seine ganz eigene Weise Geschichte geschrieben. Die ihn auch weit über Gladbachs Grenzen hinaus bekannt gemacht hat. Manolos Stammplatz auf dem Bökelberg war ein kleiner eiserner Sitz, der am Gitterzaun vor Block 16 befestigt war. Da saß er bei jedem Heimspiel – ohne Manolo lief gar nichts im altehrwürdigen Stadion.
Manolo hatte einen Trommelrhythmus für jede Spielsituation. Ein Eckball beispielsweise klang so: Bamm-bamm-bammbamm, bamm-bamm-bammbamm. Und ein Konterangriff so: Bamm-bamm-bamm-bamm-bamm-bamm-bamm-bamm. „Mit meinem Trommeln kann ich die Spieler sogar auffordern, den Ball zu halten. Oder zu passen. Das mache ich mit einem einzigen Trommelschlag“, hat Manolo vor Jahren einmal gesagt. Doch schon seit 2002 konnte der größte Borussenfan aller Zeiten nicht mehr trommeln. Seine Zuckerkrankheit ließ seine Energie schnell schwinden. „Ich habe keine Kraft mehr zum Trommeln“, sagt er, kurz nachdem seine Krankheit ihn zwang, sich zurückzuziehen.
Seit 1977 hatte er fast ohne Unterbrechung in der Nordkurve des Bökelbergstadions den Takt angegeben. „Ich trommle“, sagte er einmal in einem Interview, „wie der frühere Trainer Hennes Weisweiler gedacht hat. Immer wenn Gladbach in Rückstand lag, hat er zum Angriff geblasen. Das mache ich auch.“ Der Mann, der in einer Spinnerei arbeitete und wegen seiner Leidenschaft schon mal eine Abmahnung von seinem Arbeitgeber bekam, hämmerte in seiner Karriere diverse Trommeln durch. Sein erstes Arbeitsgerät kaufte er selbst, „die Trommel hielt 18 Jahre“.
Dann wurde er gesponsert, die Manager Helmut Grashoff und Rolf Rüssmann, aber auch Stefan Effenberg und Christian Hochstätter rüsteten ihn aus. Andere hauten nach erfolgreichen Spielen gemeinsam mit ihm auf die dicke Pauke: Hans-Jörg Criens, Uwe Rahn und Uwe Kamps, „mein Lieblingsspieler“. Manolos letzter Einsatz war das Spiel gegen 1860 München beim Saison-Kehraus der Saison 2001/2002, Gladbach verlor. Kein schöner Abschied für einen, der immer sagte: „Ich bin total verrückt nach Borussia.“
Nun wird Manolo, der Trommler, für immer fehlen. Einst war er der Vorreiter in der Bundesliga, wurde zum Trendsetter. „Ich war der erste Trommler, jetzt gibt es sie überall, in allen Fußballstadien, beim Handball, beim Eishockey“, berichtete er gern und stolz. Als Wolfgang Kleff vom Tod Manolos erfuhr, reagierte er betroffen: „Mit Manolo geht ein Stück Borussia. Es war irre, welche Stimmung er mit seiner Trommel erzeugen konnte.“ Und Berti Vogts sagte: „Manolo war ein echter Fußball-Fan. Als er mit seiner Trommelei anfing, war die Stimmung im Stadion noch nicht so toll. Manolo hat uns mit seiner Trommel oft wachgerüttelt.“
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