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Mönchengladbach: Marktführer in der Krise

VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 31.03.2008

Mönchengladbach (RPO). Die Zigaretten-Automaten-Betreiber Tobaccoland und Hall Tabakwaren verzeichnen enorme Umsatzeinbußen. Ein Grund dafür ist der Jugendschutz. Hall baut weiter Automaten ab und muss Mitarbeiter entlassen.

Immer weniger Raucher kaufen ihre Zigaretten am Automaten. Die beiden Gladbacher Anbieter haben deshalb Umsatzeinbußen.  Foto: RPO
Immer weniger Raucher kaufen ihre Zigaretten am Automaten. Die beiden Gladbacher Anbieter haben deshalb Umsatzeinbußen. Foto: RPO

Sie sind die Marktführer ihrer Branche, beide haben ihren Firmensitz in Mönchengladbach. Und sie haben 2007 erhebliche Umsatzeinbußen verzeichnet: Bei Hall Tabakwaren ging der Verkauf von Zigaretten am Automaten um fast 40 Prozent zurück, bei Tobaccoland um etwa 30 Prozent. Gründe dafür sind einerseits der verstärkte Jugendschutz. Andererseits macht der zunehmende Schmuggel von Tabakwaren der Branche zu schaffen, sagt Geschäftsführer Dr. Stephan Speckgens von Tabak Hall. „Ein Viertel aller Zigaretten in Deutschland sind eingeschmuggelt.“ Hall hat die Anzahl seiner Automaten im vergangenen Jahr um 10 000 auf 32 000 verringert. Durch den Rückgang des Geschäfts müssen auch Mitarbeiter entlassen werden.

Info

Die Firmen

Hall Tabakwaren Umsatz 2007: 660,9 Millionen Euro (netto); 2006: 744,2 Millionen Euro (minus 11,2 Prozent); Gewinn (vor Steuer) 2007: 8,5 Millionen Euro; 2006: 9,66 Millionen (minus 12 Prozent). Gegründet 1903 von Josef Hall. Sohn Jürgen Hall erbte das Unternehmen.

Tobaccoland 1974 gegründet, derzeit 14 Niederlassungen, mehr als 1000 Mitarbeiter. Nach eigenen Angaben keine Entlassungen durch Umsatzrückgang.

Bereits 200 Mitarbeiter entlassen

Hall Tabakwaren beschäftigt in acht Niederlassungen zurzeit 380 Mitarbeiter. Einen Großteil des Geschäfts (rund 75 Prozent) macht der Tabakwaren-Großhandel aus, der Wiederverkäufer beliefert. In diesem Bereich machte Hall 2007 einen Umsatz von 498,4 Millionen Euro. Das Automatengeschäft (etwa 25 Prozent) brachte 162,5 Millionen Euro. „Die Bedeutung des Automatengeschäfts ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurück gegangen“, erklärt Speckgens. In den vergangenen zweieinhalb Jahren habe Hall rund 200 Mitarbeiter entlassen müssen. Darunter auch Beschäftigte von aufgekauften Firmen. „Und wir befinden uns noch mitten im Konsolidierungsprozess“, stellt Speckgens fest. Hall kauft weiter kleinere Unternehmen der Branche auf, die dem Wettbewerb zum Teil nicht mehr gewachsen sind.

Durch die Erhöhung der Tabaksteuer werde zudem den Schmugglerbanden aus Osteuropa in die Hände gespielt, sagt der Geschäftsführer. „Wenn wir die geschmuggelte Ware mit berücksichtigen, wird in Deutschland gar nicht so viel weniger geraucht“, erklärt er. Was das Unternehmen daran ärgert: Einen realen Rückgang der Raucher müsse man als Zeichen der Zeit hinnehmen, die illegalen Einfuhren jedoch nicht. „Es bleibt die Frage, ob die hohe Tabaksteuer dann volkswirtschaftlich sinnvoll ist“, sagt Speckgens.

Anfang 2007 hat die Branche einen Jugendschutz an Automaten eingeführt: Nur Kunden mit EC-Karte als Altersnachweis können seitdem Zigaretten ziehen. Nebeneffekt ist aber, dass auch Erwachsene das kompliziertere Verfahren scheuen und lieber an Tankstellen oder Kiosken kaufen. „Wir investieren nun in einen neuen Dokumentenleser, um die Kunden zurück zu gewinnen“, sagt Speckgens. Bald soll der Kauf auch mit Personalausweis oder EU-Führerschein möglich sein.

Einen Aufwärtstrend in der Branche sieht Speckgens jedoch auch dadurch nicht. „Bald kommt der Nichtraucherschutz in der Gastronomie, dann wird es weitere Umsatzeinbußen geben“, sagt er. In ein bis zwei Jahren werde dann die Talsohle erreicht sein, schätzt der Geschäftsführer.

Von den bislang rund 420 000 Automaten in Deutschland werden nach seinen Schätzungen vielleicht 250 000 übrig bleiben. Und Hall Tabakwaren will dann noch zu den großen Betreibern gehören. Viele kleinere Unternehmen werden die nächsten Jahre jedoch nicht schaffen, schätzt Speckgens.

Quelle: RP

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