Mönchengladbach: Marsch statt Moonwalk
VON RALF JÜNGERMANN UND ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 20.06.2010 - 18:48Mönchengladbach (RPO). Internationales Flair, Perfektion im militärischen Drill und französischer Slapstick prägten das 26. Nato-Musikfest im Borussia-Park. Das Programm war abwechslungsreich, aber bis auf Ausnahmen eher traditionell.
So punktgenau kann nur das Nato-Musikfest beginnen. Wenn tausende Menschen sich von militärischer Kultur aus mehreren Jahrhunderten verwöhnen lassen. Es war genau 20 Uhr und ein paar Sekunden, als der erste Fallschirmspringer im Borussia-Park landete. Auf einem vermutlich vorab ausgesuchten Grashalm setzte der Freifaller der Sportfördergruppe der Bundeswehr auf, gefolgt von drei weiteren Springern. Der letzte davon mit roter Rauchgranate am Bein. „Sie können aus tausenden Metern Höhe auf einem 50-Cent-Stück landen“, verriet Moderator Helmut Jaeger die Vorzüge der Präzisionsschirme.
Gute drei Stunden und ein paar Sekunden später beendeten der letzte Knall des pompösen Feuerwerks und der Trommelwirbel des „Großen Kurfürsten Reitermarsch“ präzise nach Drehbuch ein Nato-Musikfest, das so ziemlich jeden der 11 125 Besucher beeindruckt oder begeistert (oder beides) heimschickte. Oberst Dr. Michael Schramm, Gesamtleiter des Programms, war nicht nur mit dem Dargebotenen zufrieden, er lobte das Mönchengladbacher Publikum in den höchsten Tönen: „Die gingen ab wie Schmitz’ Katze.“
Zwischen den Fallschirmspringen und Schramms entspanntem Resümee lagen drei Stunden bester Unterhaltung. Mit Paradebeispielen traditioneller Märsche, orientalischem Brimborium der Bands aus der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten, und den grandiosen Slapstick-Einlagen der Gymnastikgruppe der Pariser Polizei. Mit wenigen moderneren Nummern wie Michael Jacksons „Billy Jean“, das die Kapelle der Pariser Feuerwehr im zackigen Gleichschritt statt im Moonwalk aufführte.
Und mit einer Ehrenformation des Wachbataillons der Bundeswehr, das in Sachen Perfektion durchaus den Status eines King-of-Pop-Konzerts erreichte. Zu einem Stück aus der Operette „Orpheus in der Unterwelt“, das das Stabsmusikkorps der Bundeswehr spielte, führte das Wachbataillon eine minutenlange Drill-Einlage rund um den Anstoßkreis in perfekter Synchronisation auf. „Unsere Jungs waren absolut klasse. Scharf“, schwärmten die Besucher Herbert und Marianne Stenzel, die erst zum zweiten Mal das Nato-Musikfest besuchten. Kaum zu glauben, dass es beim Wachbataillon ausschließlich um Wehrpflichtige handelt, die erst seit Kurzem der Bundeswehr angehören.
Andere waren von dem Coup der Pariser Polizei angetan, die Elmar Eßer von der Marketinggesellschaft MGMG als Auflockerung für Zwischendruch verpflichtet hatte. „Normalerweise sorgen wir für Sicherheit in französischen Stadien.. Jetzt treten wir selbst einmal auf“, sagte Jean-Pierre Wygass, Chef der Gruppe. Seine Turner durchbrachen mit ihren flappsigen Übungen – ein verzweifelter Polizist versucht ein Dutzend Sträflinge auf dem Trampolin einzufangen – die Strenge, die ein Militärfest dieser Art nun einmal braucht. Und die erwartet wird. „Ich war anfangs skeptisch bei Militärmusik“, sagte Besucherin Martina Dickmann, zum ersten Mal beim Nato-Musikfest. „Aber diese internationale Atmosphäre, das Gefühl der Begeisterung füreinander, hat mich sehr überrascht.“
Dabei passen Überraschungen normalerweise gar nicht zum Militär, das aus 1250 Metern Höhe auf 50-Cent-Stücken landen kann.
Parade Rund 450 Musiker aus allen Bands paradierten am Samstagmittag mit Märschen über die Hindenburgstraße – mit Platzkonzert am Alten Markt.
Premiere Diese Art der Werbung für das Nato-Musikfest am Abend hatte es noch nie gegeben. Aber sie zeigte Wirkung: Noch am Alten Markt wurden 200 Tickets für den Abend verkauft.
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