Mönchengladbach: Mehr Kirchenaustritte nach Missbrauchsskandal
VON SEMIHA ÜNLÜ - zuletzt aktualisiert: 12.04.2010Mönchengladbach (RPO). Zahlreiche Gläubige wenden sich von ihrer Kirche ab: Seit Bekanntwerden der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche ist die Zahl der Kirchenaustritte in Mönchengladbach stark gestiegen.
"Seit Anfang des Jahres haben wir 116 Austritte: Im Januar und Februar 20 und 29 Austritte, im März 67", erklärt Amtsgerichtsdirektor Michael Schönauer auf RP-Anfrage. Zum Vergleich: Im gesamten vergangenen Jahr zählte das Amtsgericht 404 Austritte.
Aktuell gibt es in Mönchengladbach gut 168 000 Katholiken. Wer sich gegen die Kirche entscheidet und zum Amtsgericht geht, muss keinen Grund für seinen Austritt angeben. Warum Gläubige diesen Entschluss treffen, ist anhand der Zahl daher letztlich nicht zu erklären. Dass aber ein Zusammenhang zwischen den Vorfällen und den Austritten bestehen könnte, lassen die gestiegenen Zahlen auch in anderen Städten vermuten. Im ur-katholischen Köln traten etwa im März 459 Katholiken aus der Kirche aus – mehr als doppelt so viele wie im Durchschnitt der vergangenen 14 Monate. Das geht aus einer kürzlich veröffentlichten Statistik des Kölner Amtsgerichts hervor.
Finanzielle Gründe auch denkbar
Regionaldekan Ulrich Clancett sieht die gestiegene Anzahl der Austritte aber nicht nur als Reaktion auf die Missbrauchsskandale. "Auch finanzielle Gründe spielen eine sehr große Rolle, wenn nicht sogar eine viel größere bei so einer Entscheidung." Der Jüchener Pfarrer habe in seiner Gemeinde bisher erst ein bis zwei Austritte. "Die Menschen empören sich natürlich über die Vorfälle, und das ist auch richtig. Aber ich denke, dass die Fälle letztlich zu weit von Jüchen entfernt sind, um für einen Austritt ausschlaggebend zu sein."
Die Entscheidung, sich von der Kirche abzuwenden, sei ein langwieriger Prozess. "Meine persönliche Vermutung ist, dass gut dreiviertel aller Austritte vor allem wirtschaftliche Gründe haben." Da im Frühjahr traditionell die Steuererklärungen gemacht werden, sei dieser Zusammenhang auch denkbar. "Die Austrittszahlen alleine sind nicht aussagekräftig", meint Clancett.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







