Mönchengladbach: Mehr Kranke durch hohe Arbeitsbelastung
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 06.11.2008Mönchengladbach (RPO). Der Krankenstand in Mönchengladbach hat einen neuen Höchststand erreicht. Das hat auf jeden Fall eine Auswertung von Krankmeldungen der rund 20 000 AOK-Versicherten in den Betrieben der Stadt ergeben. Gestern stellte Gregor Mertens, Fachberater des Instituts für betriebliche Gesundheitsförderung, die Statistik für das erste Halbjahr 2008 vor. Jahrelang waren die Krankenstände gesunken. Immer weniger Arbeitnehmer ließen sich einen „gelben Schein“ ausstellen, auch aus Angst um ihren Arbeitsplatz. Seit dem vergangenenJahr ist der Trend wieder rückläufig. Im ersten Halbjahr 2008 stieg der Krankenstand der AOK-Versicherten in Mönchengladbacher Unternehmen auf 5,32 Prozent (Vergleichzeitraum 2007: 5,21 Prozent). Im Rheinland waren es 5,21 Prozent. Zugenommen hat auch die Zahl der Langzeitkranken.
Druck, Stress, Sorgen
Eine Ursache glaubt man bei der AOK zu kennen: „Wegen der Konjunktur haben viele Betriebe ihre Belegschaft ausgedünnt, dadurch sind die Belastungen gestiegen. Viele arbeiten länger, als tariflich ausgehandelt. Das hat Auswirkungen auf die Gesundheit“, sagt Mertens. Der Krankenstand habe zwar nur gering zugenommen, aber es sei immerhin der höchste Anstieg seit fünf Jahren, obwohl noch immer viele Beschäftigte trotz Krankheit am Arbeitsplatz erscheinen. Die Quittung sei nicht selten ein Burn-out-Syndrom oder eine psychische Erkrankung, sagt der Fachberater.
Am häufigsten fehlen die Menschen über 55 Jahren wegen Krankheit. Bemerkenswert aber: Die Beschäftigten bis 24 Jahre haben mehr Fehlzeiten als die Gruppe der 25- bis 34-Jährigen. Häufigste Krankheitsursache: alles, was mit den Atemwegen zu tun hat, also Husten, Schnupfen, Heiserkeit bis hin zu Lungenentzündung oder allergischen Reaktionen. Auf Platz zwei: Rückenbeschwerden, eine wirkliche Volkskrankheit. „In den allermeisten Fällen liegen keine organischen Befunde vor“, sagt Mertens. „Die Menschen haben also keinen Bandscheibenvorfall oder eingeklemmte Wirbel. Die Schmerzen kommen vielmehr von der verspannten Muskulatur und sind überwiegend psychosomatisch bedingt.“ Ursache: Sorgen, Belastung, Stress. Zugenommen haben außerdem die psychischen Störungen.
Viele Unternehmen hätten schon erkannt, dass sie langfristig nur erfolgreich arbeiten können, wenn ihre Mitarbeiter gesund sind, sagt Mertens. Deshalb werden über die AOK auch kostenfreie Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung angeboten. Einige Unternehmen hätten das Angebot schon in Anspruch genommen und durchaus gute Erfahrungen gemacht, sagt AOK-Sprecher Bernd Faber. Der Kasse liegt viel an Prävention – auch aus Kostengründen. „Allein in Mönchengladbach geben wir immerhin 550 000 Euro im Monat wegen Krankheit aus“, sagt Heinz Frohn, AOK-Regionaldirektor Niederrhein.
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