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Mönchengladbach: Mekka für Pferdeliebhaber

VON PHILIPP COENEN - zuletzt aktualisiert: 25.04.2009

Mönchengladbach (RPO). Würde Filmschauspieler John Wayne noch leben und nach einem neuen Drehort für einen seiner Westernstreifen suchen, dann könnte er gar in Mönchengladbach fündig werden. Und zwar in einer Honschaft: in Genholland. Hier leben genauso viele Pferde wie Bewohner – ganze 120 an der Zahl.

 Cowboys oder Schießereien gibt es auf den Straßen allerdings nicht, noch nicht mal einen Dorfsheriff. In Genholland läuft alles wie eh und je – nämlich ziemlich ruhig. "Das ist auch das Himmlische", sagt Reinhold Hofer (70) und hält sich im nächsten Moment seine Hand vor das Ohr. Denn gerade wird die göttliche Ruhe gestört, um genau zu sein schon seit vier Wochen. Arbeiter reißen die Straßen mit einem lauten Presslufthammer auf, denn Genholland wird richtig modern, bekommt unteriridische Stromleitungen.

Eigentlich hatten die Hochleitungen die Bewohner nie gestört. Die waren ja auch schon immer da. Wenn es nach Franz Dondit (75), Josef Oellers (86) und Reinhold Hofer (70) geht, dann würden sie Hammer und Meißel an einer ganz anderen Stelle ansetzen: an der kleinen Kapelle "Mariä Geburt", deren Mauerwerk dicke Risse bekommen hat.

"Die muss schnell saniert werden", sagt Franz Dondit und sucht mit seinen Augen die Wand nach den Fehlern ab. "Geld dafür bekommen wir nicht. Das Dorf wird anpacken und die Instandhaltung selber finanzieren müssen", erklären die Männer.

Das sollte aber kein Problem darstellen, sind sich die drei Bewohner einig. Denn in Genholland packen alle gemeinsam an. Nicht nur beim jährlichen Maibaumaufstellen, auch beim großen Dorffest. Das fand allerdings das letzte Mal vor vier Jahren statt. Und genauso, wenn nicht sogar länger ist es her, dass in der Kapelle Messen abgehalten wurden. "Irgendwie haben wir es in den vergangenen Jahren nicht geschafft, das Fest auf die Beine zu stellen", sagt Reinhold Hofer. "An den Messen scheiterte es aber eher am Mangel vorhandener Priester", fügt sein Nachbar Franz Dondit schnell hinzu.

Dieses Jahr wollen es die Leute in Genholland aber nochmal versuchen, die Feier aufleben zu lassen, "Auch um ein bisschen Geld für unsere Kapelle zu sammeln", erklärt Dondit. Und da stehen die drei Männer auch schon vorm Veranstaltungsort ihres Festes, einer Lagerhalle kurz vorm Buchholzerwald, und erzählen beim Rundgang durch Genholland, warum ihnen das Fleckchen Land so sehr ans Herz gewachsen ist. "Hier hat man eben Natur pur", sagt Josef Oellers und blickt auf einen Trampelpfad in Richtung des Waldes. Im Rücken liegt ihm ein kleiner Hügel mit dem Namen "Entenberg", auf dem das Federvieh es sich gemütlich machte, bis die Ziegen und Schafe kamen und sich dort heute in der Sonne lümmeln.

Natur hin oder her – Darauf kommt es in Genholland alleine dann auch wieder nicht an. Denn hier geht es vor allem um eins: um eine gute Nachbarschaft. Klar, bei 38 Häusern liegt es nicht fern, dass sich die Bewohner untereinander kennen. Dass sie sich aber auch gut verstehen, ist nicht ganz so selbstverständlich, sind sich auch die Männer einig. "Das ist auch so klasse", sagt Franz Dondit und erinnert sich: "Als ich aus der Stadt hierhin gezogen bin, haben mir die Nachbarn sofort dabei geholfen, das Dach meines Hauses zu decken." Genholland eilt sein guter Ruf voraus: Immer mehr junge Familien lassen sich hier nieder.

Nieder in einen Ort, der heute von viele Menschen nur als netter Spazier- oder Radweg genutzt wird und der vor vielen Jahrzehnten aufgrund einer Bockstation bestialisch stank. Doch da machten sich die Bewohner auch schon untereinander stark, protestierten und die Bockstation musste weichen. Heute werden in der Honschaft nur noch drei Bauernhöfe betrieben und sie ist Mekka für alle Reitfans, da dort Dutzende Pferde in Ställen untergebracht sind.

Ein bisschen abgeschieden, das ist Genholland schon, ist sich das Trüppchen einig. Noch nicht mal ein Bus fährt hier. Und wer einkaufen oder zum Arzt möchte, der muss entweder mit dem Auto nach Rheindahlen fahren oder auf dem Drahtesel bis in die Nachbarhonschaft strampeln. "Doch selbst einen Fußmarsch von einer halben Stunde nimmt man für die himmlische Ruhe in Kauf", sagt Franz Dondit – seine Nachbarn nicken.

Alle Folgen bei www.rp-online.de/moenchengladbach

Quelle: RP

 
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