Mönchengladbach: Metall-Beschäftigte im Warnstreik
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 06.11.2008Mönchengladbach (RPO). Auf dem Theaterplatz versammelten sich gestern 2000 Beschäftigte der Metallindustrie, um für acht Prozent Lohnerhöhung zu demonstrieren. Die IG Metall hatte zum Warnstreik aufgerufen. In vielen Betrieben stand die Produktion still.
Rund 2000 Beschäftigte der Metallindustrie haben gestern in der Innenstadt für acht Prozent Lohnerhöhung demonstriert. Auf dem Theaterplatz versammelten sich die Streikenden mit Transparenten und Trillerpfeifen zur Kundgebung. An dem Warnstreik haben Mitarbeiter von 20 Betrieben aus Mönchengladbach und Umgebung teilgenommen. Unter anderem habe die Produktion bei Oerlikon Schlafhorst, Schorch Areva, Nexans und Monforts stillgestanden, sagte Reimund Strauß, erster Bevollmächtigter der IG Metall Mönchengladbach.
„Stimmung ist grottenschlecht“
Die IG Metall fordert für die bundesweit 3,5 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie acht Prozent mehr Lohn und Gehalt. Die Arbeitgeber haben bisher 2,1 Prozent für 2009 und eine Einmalzahlung von 0,8 Prozent für November und Dezember 2008 angeboten. Angesichts des momentanen konjunkturellen Abschwungs seien die Forderungen der Gewerkschaft zu hoch, argumentieren die Arbeitgeber. Das will die IG Metall nicht gelten lassen. „Teile der Arbeitgeber nutzen die Finanzkrise als Vorwand, um die wirtschaftliche Lage schlechter zu reden, als sie ist“, sagte Klaus Loellgen von der IG-Metall-Bezirksleitung NRW auf der Kundgebung am Theaterplatz.
Unter den Streikenden waren auch zahlreiche Mitarbeiter von Oerlikon Schlafhorst. Sie hatten vor kurzem erfahren, dass der Standort des Textilmaschinenbauer in Mönchengladbach radikal zurückgefahren wird. Schlafhorst wird 386 Mitarbeiter in den nächsten 15 Monaten abziehen, 84 entlassen.
„Die Stimmung ist grottenschlecht. Wir haben in den letzten Jahren schon auf sehr viel verzichten müssen“, sagte Ludwig Baum vom Betriebsrat. Das Unternehmen habe sich „2007 eine goldene Nase verdient“, keine drei Monate später seien die ersten Entlassungen angekündigt worden. „Saurer hat schon viel abgebaut, Oerlikon erledigt jetzt den Rest“, so Baum. Er fürchtet, dass der Standort Mönchengladbach platt gemacht wird.
„Wir haben viel Arbeit, es fehlen Facharbeiter, aber was nicht fehlt, ist der Gewinn“, sagte Josef Houben, Betriebsrat von Sempell. 2001 ging beim Korschenbroicher Unternehmen die Angst vor dem Firmen-Aus um. Anfang 2008 war die Auftragslage bestens, die Ziele hoch: Der Umsatz soll sich bis 2015 auf 300 Millionen Euro verdreifachen.
„Bei Schorch steht keiner der Beschäftigten mehr im Unternehmen“, sagte Betriebsrat Günter Kursch auf der Kundgebung. Mit der breiten Solidarität wolle das Unternehmen der Gewerkschaft etwas dafür zurückgeben, dass sie 2005 für die Belegschaft eingetreten war. Sempell war damals in Schieflage geraten. Bis Ende des Jahres gilt noch ein Haustarifvertrag. „Wir haben bereits genug verzichtet, jetzt wollen auch wir mehr Geld“, sagte ein Mitarbeiter.
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