Mönchengladbach: Mieter im Chaos
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 28.11.2009Mönchengladbach (RPO). Seit Monaten werden die Hochhäuser an der Karlstraße in Odenkirchen saniert. Die Mieter leiden unter ohrenbetäubendem Lärm. Mehrfach fiel der Strom aus. Die Folge: kein warmes Wasser, kein warmes Essen.
3,5 Millionen Euro
Zuschuss Vor einem Jahr gab das Land bekannt, dass die Sanierung und Modernisierung der Großwohnanlage Karlstraße 102-104 in Odenkirchen einen Zuschuss von 3,5 Millionen Euro bekommt.
Energie Davon könnten neben den Sanierungsarbeiten und Modernisierungsmaßnahmen die neuste Energietechnik zum Einsatz kommen, hieß es damals.
Die Verzweiflung ist spürbar. Ursula Bär kann nicht mehr. Ihre Nerven liegen blank. "Seit Monaten leben wir auf der Baustelle", sagt sie. "Meine Kinder können den Krach nicht mehr ertragen, und mein Mann und ich wissen nicht mehr weiter." Seit 1999 lebt die Familie im Hochhaus an der Karlstraße 102 in Odenkirchen. Und seit Monaten werden unter, über und neben ihrer Wohnung Wände und Decken weg gestemmt. Vom Wohnzimmer aus schauen die Bärs auf ein Gerüst, auf dem kleinen Balkon stapeln sich asbesthaltige Platten, die Rolladenkästen sind offen, der Wind zieht in die Wohnung. "Wir wollen hier raus", sagt Ursula Bär, "lieber heute als morgen."
Kabel geriet in Brand
Viermal ist der Strom ausgefallen. "Ich konnte nicht kochen, wir hatten kein warmes Wasser und kein Licht", sagt die dreifache Mutter. Einmal hat ihr eine Nachbarin ausgeholfen und ein Verlängerungskabel hinüber zu Familie Bär gelegt, und einmal hat sich ihr Mann Stephan beim Elektriker auf der Baustelle beschwert. "Da haben die uns ein Kabel unter der Tür her gelegt", sagt er und zeigt auf die Schmauch- und Brandspuren in der Ecke. Das Kabel war nach kurzer Zeit in Brand geraten. "Die Elektrik ist im ganzen Haus total gemurkst", sagt Stephan Bär. Von Lärm und Stromausfällen sind im Haus Nummer 102 insgesamt 80 Familien betroffen, im Haus nebenan, das ebenfalls umgebaut wird, leben 100 Familien.
Ursula und Stephan Bär haben sich mehrfach an ihren Vermieter, Helmut Sevriens, gewandt. "Aber der nimmt uns nicht ernst", meinen sie. Deshalb schalteten sie einen Rechtsanwalt ein. Der hat dem Hauseigentümer eine Frist bis zum 30. November gesetzt. Bis dahin, so fordert er, müssen die Mängel auf der Baustelle behoben sein. Ansonsten würden seine Mandanten den Mietzins mindern.
Helmut Sevriens will die Vorwürfe so nicht akzeptieren: "Es gibt auf der Baustelle ständig einen Wachmann, der darauf achtet, dass nichts passiert, außerdem stehen rundherum Bauzäune." Die Dämmplatten auf den Balkonen seien nur "leicht asbesthaltig", und würden bald fachgerecht entsorgt. Allerdings gibt er zu: "Die Lärmbelästigung ist für die Mieter natürlich schrecklich, aber nicht zu ändern." In absehbarer Zeit hätten sie dafür ein schönes neues Haus. Die elektrischen Leitungen will er umgehend überprüfen lassen: "Die sehen wirklich nicht hundertprozentig sicher aus."
Oberbürgermeister Norbert Bude will die Baustelle an der Karlstraße untersuchen lassen. "Da muss die Bauordnung sich einmal umsehen", sagt er.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







