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Mönchengladbach: Millionen-Ersatz fürs Theater

VON RALF JÜNGERMANN UND DIRK RICHERDT - zuletzt aktualisiert: 03.12.2008

Mönchengladbach (RPO). Weit über eine Million Euro muss die Stadt zahlen, um für zwei Jahre die frühere Bundeswehrhalle im Nordpark als Ersatz-Theater nutzen zu können. Danach wird sie zur Lagerhalle, damit der Haushalt nicht noch mehr belastet wird. CDU und FDP tragen nun den Nachtragshaushalt der Bühnen mit.

Die Ausweichspielstätte für das Theater während der Umbauzeit wird nicht nur sehr teuer – sie wird auch anschließend nicht weiter als Veranstaltungsort genutzt. Auch das hat Kostengründe. Denn Bauriese Jessen wäre weiter daran interessiert, aus der Halle im Nordpark eine Großdisco zu machen. „Das können wir uns immer noch sehr gut vorstellen“, bestätigte Geschäftsführer Jochen Bücker der Rheinischen Post. Auch Interessent Borussia könnte sich die Halle als Fußballhalle oder Lagerhalle für Fan-Artikel und Stühle vorstellen. Doch auch der Fußballverein bekommt kein Angebot.

Info

So teuer wird’s

Miete 200 000 Euro jeweils 2009 und 2010

Zusätzliche Miete nach Umbau Wird am 10. Dezember bekannt: geschätzt: pro Jahr 100 000 Euro

Miete für Einrichtung 135 000 Euro im Jahr 2009 und 190 000 Euro für 2010

Ausstattung 170 000 Euro für 2009 und 30 000 Euro 2010

Für 1,3 Millionen Euro gekauft

Tatsächlich will die Stadt nämlich das Textilmaschinendepot aus den Boetzelen Höfen und das Kulissenlager der Bühnen aus der Badenstraße in die Bundeswehrhalle im Nordpark verlegen. Der Vorteil: Als langfristiger Mieter muss die Stadt der eigenen Tochter Entwicklungsgesellschaft EWMG, die die Halle für 1,3 Millionen Euro gekauft hat, auch während der Theater-Zeit weniger Miete zahlen. Die Stadt wiederum würde für die Lagerung nicht länger an private Dritte Geld zahlen, sondern an die eigene Entwicklungsgesellschaft.

Die Kosten für die Übergangszeit zu drücken ist auch dringend nötig. Zwar sind noch immer nicht alle Posten bekannt. Doch schon jetzt addieren sich die Kosten für Miete der Halle, Miete von Stühlen, Toiletten und Ausstattung auf 925 000 Euro. Das berichtete Kulturdezernent Dr. Gert Fischer gestern im Kulturausschuss. Da die EWMG die bisher nackte Halle noch theaterfertig umbauen soll, nach Plänen der Krefelder Gesellschaft SWK-Kompakt, wird die Miete deutlich höher liegen als die vorerst veranschlagten 200 000 Euro pro Jahr. Nach vorsichtigen Schätzungen von Experten dürften mindestens noch einmal 100 000 Euro pro Jahr dazu kommen. Das hieße: Die Stadt gibt für die Ausweichspielstätte mehr als 1,1 Millionen Euro aus, verteilt auf zwei Jahre. Das Zahlenwerk von Kulturdezernent Fischer nannte FWG-Mann Erich Oberem gestern „unwirtschaftlich“. Die EWMG wolle ja mit ihrem Eigentum, der Halle, Geld verdienen. Oberem schätzt die Gesamtkosten auf 2,5 bis drei Millionen Euro.

In Krefeld, wo seit Beginn der Spielzeit ebenfalls wegen Umbauarbeiten in einer Ersatzhalle gespielt wird, reichten rund 700 000 Euro aus. Die Gadbacher werden davon profitieren, dass die Krefelder schon ein Provisorium herrichten mussten. Zuschauertribünen, Stühle, Bühnenpodeste und Technik können sie aus Krefeld übernehmen, müssen sich indes an den Anschaffungskosten beteiligen.

Die Zeit drängt. Denn am 17. Dezember muss der Rat das Geld in den städtischen Haushalt der kommenden zwei Jahre einstellen. Spätestens im Februar soll der Umbau beginnen. Bereits im Juli hatte die EWMG der Stadt die Halle zur Miete angeboten. Passiert ist seither nichts, weil die Stadt die Kosten nicht ermittelt hat. Sie wird sie nun in der Hauptausschussitzung kommende Woche nachreichen – auf den allerletzten Drücker.

Für Überraschung im Kulturausschuss sorgte Ratsherr Wolfgang Dreßen. Für die CDU- und die FDP-Fraktion erklärte er: „Wir werden den Betrag aus dem Nachtragshaushalt des Theaters mittragen. Wir werden aber nicht draufsatteln, sondern die fehlende Summe (429 000 Euro) dem Theater als Kredit gewähren.“ Dies bedeutet, dass die Vereinigten Bühnen in spätestens zwei Jahren, wenn der neue Intendant im Amt ist, das Darlehen zurückzahlen müssen. Mit Zinsen. KOMMENTAR; MEHR AUF rp-online.de/moenchengladbach

Quelle: RP

 
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