Mönchengladbach: Minarett eröffnet: Streit überwunden
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 02.06.2009Mönchengladbach (RPO). Klaus Viehhausen folgt dem Turm vor ihm mit den Augen. Von unten nach oben und wieder zum Boden herunter. "Ich verstehe das nicht", sagt er. "Warum hat es darum so viel Theater gegeben?"
So wie ihm ging es vielen Besuchern, die am Samstag dabei waren, als die türkische Gemeinde Diyanet an der Duvenstraße ihr Minarett eröffnete. Das Bauwerk ist exakt 19,99 Meter hoch. Dort, wo früher ein leer stehendes Bahnhofsgebäude stand, ist nun eine Moschee. Einen Gebetsruf wird es nicht geben.
Etwa 800 Muslime und Gäste feierten am Samstag um 12.20 Uhr – zur Gebetszeit – die Eröffnung des Minaretts, um das es jahrelang erhebliche Diskussionen gegeben hatte. "Und zwar solche, die notwendig waren. Aber auch solche, die überflüssig waren", sagte Oberbürgermeister Norbert Bude. Für die Mitglieder des Kulturvereins ist ein Traum wahr geworden. "Ich hoffe, dass das Minarett auf Akzeptanz trifft", sagte der Vorsitzende des Vereins, Bünyamin Berk. "Es soll wie eine Brücke zur Integration ihre Dienste verrichten."
Wolfgang Funke, Pastoralreferent der katholischen Hauptpfarre, sagte: "Zu jeder Kirche gehört ein Turm. Und zu jeder Moschee gehört ein Minarett. Ich hoffe, dass das selbstverständlich wird. Ein guter Dialog zwischen Christen und Muslimen ist alternativlos." Gülistan Yüksel vom Integrationsrat sieht das Minarett als das "Symbol für friedliches Zusammenleben in dieser Stadt".
Insgesamt kostete das Minarett die Gemeinde 90.000 Euro. Baubeginn war im Dezember. Knapp drei Jahre dauerten die Diskussionen um das Minarett. In der ersten Planung wollte Diyanet einen 25 Meter hohen Turm bauen lassen. Die Stadt verwies auf einen Bebauungsplan, der maximal zehn Meter hohe Bauten zulasse. Damit wollte sich die Gemeinde nicht abfinden. Bei einem Krisengipfel zwischen Politik und Muslimen im Dezember 2006, wenige Tage vor einer Gerichtsverhandlung, einigte man sich auf 20 Meter Höhe und den Verzicht von Muezzin-Rufen.
Acht Monate später kam es doch zu einer Gerichtsverhandlung, da ein Nachbar sich nicht dem Kompromiss anschloss: Das Verwaltungsgericht gab der Stadt recht. Die Lösung lieferte der Architekt Dr. Hussam Abdel-Hamid im Januar 2008: Sein Entwurf war nicht mehr begehbar und knappe 20 Meter hoch – somit gilt das Minarett jetzt als Werbe-Pylone und durfte gebaut werden.
Am Samstag trug der Imam dank einer Ausnahmegenehmigung zwei Koran-Suren über Lautsprecher vor. Der Katholik Wolfgang Funke schloss mit den Worten: Salem aleikum – Frieden sei mit euch.
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