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Mönchengladbach: Missbrauch im Fußballclub

VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 28.01.2010

Mönchengladbach (RPO). Ein Fußballtrainer soll Kinder sexuell missbraucht haben. Mehrere Opfer haben den Mann belastet. Doch die Polizei hat ihre Ermittlungen abgeschlossen. Denn der Verdächtige nahm sich das Leben. Jetzt kursieren schlimme Gerüchte.

Ein Fußballtrainer soll Kinder sexuell missbraucht haben. Bei der Polizei belasteten ihn mehrere Opfer. Doch die Ermittlungen mussten eingestellt werden, wie Oberstaatsanwalt Peter Aldenhoff (u.r.) berichtete. Das Bild unten links zeigt eine Spielszene aus einem ortsfremden Verein.  Foto: RPO
Ein Fußballtrainer soll Kinder sexuell missbraucht haben. Bei der Polizei belasteten ihn mehrere Opfer. Doch die Ermittlungen mussten eingestellt werden, wie Oberstaatsanwalt Peter Aldenhoff (u.r.) berichtete. Das Bild unten links zeigt eine Spielszene aus einem ortsfremden Verein. Foto: RPO

Die Akten sind geschlossen, die Ermittlungen abgebrochen. Dabei hätte möglicherweise ein Fall eines jahrelangen sexuellen Missbrauchs an Jungen geklärt werden können: Aber der Hauptverdächtige ist tot. Er nahm sich das Leben. Der 60-jährige Mann, von dem die Rede ist, war in einem Fußballverein als Trainer tätig. Er wurde von mehreren Opfern belastet, wie Polizeisprecher Jürgen Lützen gestern bestätigte.

"Ihr seid schuld"

Das Leid der Opfer bleibt – und das gleich in zweifacher Hinsicht. Denn weil die Täterfrage nicht eindeutig geklärt werden konnte, müssen sich die Kinder, die gegen den 60-Jährigen aussagten, nun häufig den Vorwurf anhören: "Ihr seid es schuld, dass der Trainer sich das Leben nahm." Das verriet der Vater eines vernommenen Jungens.

Info

Polizeidaten

Straftaten Während die Zahl der Fälle von sexuellem Missbrauch an Kindern im Jahr 2008 landesweit um 1,7 Prozent zurückging, stellte die Polizei in Mönchengladbach einen Zuwachs um sechs Fälle auf 59 Delikte fest.

Aufklärungsquote Sie lag im jahr 2008 bei 83 Prozent (Vorjahr 81,1 Prozent).

Der Fall ist kompliziert: Er begann, als eines Tages ein 50-jähriger Mann beim Jugendtraining auf einem Fußballplatz auftauchte, der von Eltern als verurteilter Kinderschänder erkannt wurde. Aus Sorge wandten sie sich an die Vereinsleitung, die dem Mann daraufhin Platzverbot erteilte. Zumal bekannt geworden war, dass der 50-Jährige Jungen mit zum Schwimmen und in die Sauna genommen hatte. Die Polizei nahm Ermittlungen auf.

Wie Oberstaatsanwalt Peter Aldenhoff erklärte, wurde das Verfahren jedoch "wegen erwiesener Unschuld" eingestellt. Es habe keine Hinweise auf unsittliche Übergriffe gegeben. Doch der Missbrauchverdacht in dem Sportverein blieb. Denn während der Vernehmungen des 50-Jährigen beschuldigte dieser den 60 Jahre alten Jugendtrainer. Der lasse regelmäßig Jungen bei sich übernachten, und dabei sei es auch zu Übergriffen gekommen. Offensichtlich, so Aldenhoff, hatten sich einige Kinder dem 50-Jährigen anvertraut.

Als im Fußballverein bekannt wurde, dass ausgerechnet ein verurteilter Kinderschänder den Trainer des sexuellen Missbrauchs beschuldigt, kochte die Volksseele. Anonyme Briefe mit alten Vorwürfen und Beschuldigungen machten die Runde. Außerdem wurde in einem Schreiben die genaue Adresse des 50-Jährigen bekannt gegeben.

Akten automatisch geschlossen

Derweil ermittelte die Polizei nun gegen den Trainer. Mehrere Jungen wurden bei der Polizei angehört. Aber mehr, als dass der 60-Jährige mehrfach belastet wurde, will Jürgen Lützen nicht sagen. Denn mit dem Tod des Hauptverdächtigen seien die Akten automatisch geschlossen worden. Ob sein Suizid etwas mit dem den Ermittlungsverfahren zu tun hat, konnten der Polizeisprecher und auch der Oberstaatsanwalt nicht sagen. Dies werde sich vielleicht auch nie klären, denn ein Abschiedbrief sei nicht gefunden worden. Bleiben viele offene Fragen: Wie viele Opfer gab es? Wie lange blieb der Missbrauch unentdeckt?

Sicher ist aber, so Aldenhoff: Der zunächst in Verdacht geratene 50-Jährige ist unschuldig.

Quelle: RP

 
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