Mönchengladbach: Mit Narrenrock im Gefängnis
VON MEYEL LÖNING - zuletzt aktualisiert: 19.02.2011Mönchengladbach (RPO). Ein Ostfriese erlebt seinen ersten Karneval. Heute geht es mit der Karnevalsband "Narrenrock" an einen sehr ungewöhnlichen Sitzungsort – in die JVA Köln-Ossendorf. Auf einer etwas anderen Damensitzung hat Meyel Löning vor allem mit seinem gebrochenen Kölsch zu kämpfen.
Warum? Ich hab gar nix gemacht. Ich muss ins Gefängnis. Mein Vater war als kleiner Mann mal aus Versehen nicht unbeteiligt an einer kleinen Brandstiftung in einem Moorgebiet in Flachsmeer (Ostfriesland). Und selbst Papa kam noch raus aus der Nummer. Mir als Karnevalsreporter aber bleibt hier wohl nichts erspart. Immerhin bin ich nicht allein. Dass aber ausgerechnet die (Karnevals-)Band Narrenrock mit mir durch die Schleuse geht, ist unfassbar. Sie haben nämlich auch nix gemacht. Das versichert mir Leadsänger Tobias Graf auf unserer Fahrt im Tourbus. Auf dem Weg zur Justizvollzugsanstalt Köln-Ossendorf nehmen wir das Schicksal, wie es ist. Und freuen uns dann doch ein bisschen auf den etwas anderen Karneval – auf eine Damensitzung hinter Gittern.
Singen mit Narrenrock
Narrenrock Die Band gibt es seit 2008. Narrenrock tritt oft in Köln auf, ist in Gladbach vor allem durch den Mottohit "Mach mit, Karneval hält fit" bekannt. Infos gibt es unter www.narrenrock.de.
Serie Meyel Löning kommt aus Ostfriesland und berichtet über seinen ersten Karneval.
Die Jungs von Narrenrock fahren nicht nur unschuldig, sondern in gewisser Weise auch als rheinische Pazifisten ins Gefängnis. Sie verbinden die Jecken der Region. Sie sind Mönchengladbacher, singen in ihrer Heimat den Karnevals-Mottosong des Jahres, treten aber vor allem auch in Köln auf. Dort verzichten sie darauf, sich über ihre Herkunft zu äußern. "Sonst würden wir dort nicht ernst genommen werden", erzählt Tobias Graf. Das Motto der Band: "Man ist immer da zuhause, wo man gerade ist."
Na ja, nun sind wir im Gefängnis. Nach einer Kontrolle geht es mit reichlich Equipment durch die Schleuse. In den grauen Räumlichkeiten angekommen, muss alles ganz schnell gehen. "Als Band im Karneval sollte man in der Lage sein, innerhalb von drei Minuten auftrittsbereit zu sein", erklärt Michael Sommer. Ist das geschafft, geht es nur noch um die Gunst des besonderen Publikums. Ich bin gespannt wie ein (zugegeben: noch etwas beklommener) Flitzebogen, wie die inhaftierten Damen das Ganze annehmen.
Das Ergebnis ist eindeutig: Schon als Narrenrock die Bühne betritt, stehen die größtenteils verkleideten Damen auf ihren Stühlen, klatschen und singen ausgelassen mit. Die Jungs machen ihre Sache richtig gut. Doch wie bei meiner ersten Sitzung stehe ich mal wieder da und denke: "Dieses verdammte Kölsch!" Doch die Jungs von Narrenrock machen mir Mut. Die Gladbacher Band hat die Grenzen zwischen Köln und Mönchengladbach auch dank Nachhilfe überwunden – in einem Kölsch-Sprachkurs. "Das ist schon eine ganz andere Sprache", erklärte mir Tobias Graf noch im Tourbus. Das merke ich schnell, als ich die Songtexte der Band, die ich vorher fleißig ausgedruckt habe, durchgehe.
Dann habe ich Glück. Das Lieblingslied der Band "Mir danke üch" (oder so) fällt dem engen Zeitplan zum Opfer. Und ohne dieses Lied fährt die Band nie nach Hause. Als wir gemeinsam das Equipment im Auto verstaut haben, schnappt sich Tobias Graf die Gitarre und stimmt eine kraftvolle Unplugged-Version des Liedes an. Und ich singe stolz mit.
Ein tolles Ständchen hinter Gittern. Ich wäre gerne noch ein wenig länger im Gefängnis geblieben.
Den Film mit einem exklusiven Ständchen gibt's hier.
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