Mönchengladbach: Mit Sherlock Holmes auf Jobsuche
VON BENJAMIN SARTORY - zuletzt aktualisiert: 25.08.2006Mönchengladbach (RPO). „Ich werde nach der Realschule mein Abitur nachholen und dann eine Ausbildung zur Bankkauffrau machen“, erklärt Melanie Klaßen mit überzeugter Stimme. Zusammen mit ihrer gleichaltrigen Freundin Nicole Götz informiert sich die 15-jährige bei der Berufsinformationsbörse im Berufskolleg Platz der Republik über ihre beruflichen Möglichkeiten. 80 Unternehmen, Institute, Verbände und Schulen stellen hier noch bis Samstag Berufe vor.
„Meine Entscheidung stand eigentlich schon vorher fest“, erzählt Nicole, die die Geschwister-Scholl Realschule besucht. Voll gepackt mit Prospekten, von der Kondomwerbung bis zur Bewerbungstestbroschüre, kämpft sie sich dann auch durch die Infostände zu der Vertretung einer Bank. Mit Hilfe einer Computersimulation lässt sie sich den Tagesablauf und die Verdienstmöglichkeiten einer Bankkauffrau erklären. Fragen stellt die neugierige Realschülerin später Ansgar Mertens, der für die Volksbank ins Berufskolleg gekommen ist. „Der Ansturm ist deutlich größer als in den Vorjahren“, meint Mertens zufrieden. „Und erstaunlicherweise kommen die meisten schon mit einer gewissen Zielvorstellung.“
Tatsächlich zwängt sich eine lärmende Schulklasse nach der anderen durch die Gänge des Berufskollegs. Auch wenn einige Schüler sicher nur gekommen sind, weil es dafür schulfrei gab – die meisten machen einen durchaus interessierten Eindruck. Grund genug dafür gibt es: Die Aussteller haben sich redlich Mühe gegeben, ihre Besucher nicht zu langweilen.
Krimi-Dinner
So zeigt zum Beispiel ein Lebensmittelhersteller aus Viersen die einzelnen Schritte zur Herstellung eines Schokoriegels. Wer will, darf die einzelnen Bausteine direkt vor Ort zusammensetzen und aufessen. Die Mitarbeiter eines Instituts für Fondsdienstleistungen sind als Sherlock Holmes verkleidet. Potentielle neue Mitarbeiter sollen bei einem Krimi-Dinner auf ihre Fähigkeiten getestet werden. Die Bundeswehr ist sogar mit einem ganzen Lkw gekommen. Interessierte können dort die Teilbereiche der Bundeswehr in einem PC-Spiel kennen lernen.
„Besonders gut finde ich, dass man seine Fragen hier gezielt an Fachleute stellen kann“, fasst die 15-jährige Melanie zusammen. „Im Internet geht das zum Beispiel nicht.“ Und auch Schüler, die vorher nicht so festgelegt waren wie Melanie, finden bei der Infobörse Hilfe. Melanies Freundin Nicole wollte eigentlich Frisörin werden und hat sich jetzt umentschieden: „Ich werde eine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau machen, da gibt es mehr zu tun.“
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