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Mönchengladbach: Mitgefühl nach Hass-Briefen

VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 02.02.2008

Mönchengladbach (RPO). Als Victoria Ramirez einen anonymen Brief mit ausländerfeindlichen Parolen bekam, brach für sie eine Welt zusammen. Jetzt fasst sie neuen Mut. Denn die Anteilnahme der Menschen hat sie überwältigt.

Inzwischen kann Rosa Victoria Ramirez Leiva wieder richtig lächeln. In den vergangen zwei Tagen haben der Kolumbianerin viele Menschen ihr Mitgefühl ausgedrückt, Blumen vorbeigebracht oder Briefe geschrieben. „Teilweise kamen völlig fremde Menschen in meinen Laden, die mir einfach sagen wollten, wie sehr Sie sich für solche Ereignisse schämen, und hatten Tränen in den Augen“, sagt die Geschäftsfrau aus Rheydt überwältigt. „Das alles macht die schlechten Erlebnisse der letzten fünf Jahre zwar nicht vergessen, aber sie machen mir Mut für die Zukunft“, sagt Victoria Ramirez.

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Neue Reaktionen

Ob Norbert Bude schrieb an die beiden betroffenen Frauen: „Solch ein Schreiben ist widerwärtig und menschenverachtend. Ich verurteile dieses Verhalten auf das Schärfste und fühle mit Ihnen und Ihrer Familie.“

Die Grünen „Die Vorfälle zeigen, dass Menschen nicht deutscher Herkunft immer wieder Opfer von Ausgrenzung werden.“

Noch vor einigen Tagen sah die Welt für die Kolumbianerin ganz anders aus: Sie hatte, ebenso wie eine weitere Geschäftsfrau, anonyme Briefe mit fremdenfeindlichem Inhalt bekommen (wir berichteten). Darin standen wüste Beschimpfungen und derbe Parolen. Der Staatsschutz hat die Ermittlungen wegen Volksverhetzung aufgenommen. Die Polizei geht aber nicht davon aus, dass eine rechtsradikale Organisation hinter den Schreiben steht. Allerdings sind es nicht die ersten Schmähbriefe, die in Rheydt kursieren. Im Oktober, November vergangenen Jahres machten Schreiben die Runde, die gegen Sozialhilfeempfänger und Hartz-IV-Bezieher Stimmung machten. Sie wurden als Betrüger beschimpft. Doch damals ging niemand zur Polizei, um die Sache öffentlich zu machen.

Für Victoria Ramirez war durch den fremdenfeindlichen Brief, den sie auf der Türschwelle zu ihrem Geschäft an der Hauptstraße fand, jedoch eine Welt zusammengebrochen. Auch ihr Ehemann Svenn Plaga machte sich große Sorgen. Ausländerfeindliche Bemerkungen musste die Geschäftsfrau in den vergangenen Jahren öfter hören. Vor rund fünf Jahren kam sie aus Südamerika nach Mönchengladbach. Die gelernte Journalistin machte Sprachkurse und eröffnete ihr Modegeschäft.

Nach dem RP-Bericht über die anonymen Schmähbriefe hatte der Fall für Aufsehen gesorgt. Die Kunden, die in den vergangenen zwei Tagen in ihr Geschäft kamen, regten sich ebenfalls über die Vorfälle auf und sprachen der Kolumbianerin Mut zu. „Ich habe erkannt, wie viele Menschen eben doch auch auf der für mich ,guten’ Seite stehen“, sagt sie erleichtert. Auch Oberbürgermeister Norbert Bude hatte am Tag des Bekanntwerdens an die Frauen geschrieben. „Einen sehr netten Brief“, wie Victoria Ramirez sagt. Auch Parteien, darunter SPD, FDP, CDU und Grüne haben öffentlich Stellung bezogen und die Tat verurteilt.

Quelle: RP

 
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