Mönchengladbach: Mönchengladbach auf Abstellgleis?
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 28.05.2009Mönchengladbach (RPO). Teure Tarife, wenig Komfort im Rheydter Bahnhof, Bummelzüge nach Köln: Die Stadt ärgert sich darüber, dass der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) in einem neuen Nahverkehrsplan Projekte aus Mönchengladbach kaum berücksichtigt hat. Dagegen will sie jetzt protestieren.
Die Stadt Mönchengladbach sieht ihre Interessen im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) nicht genügend berücksichtigt. Der erste Entwurf eines neu erarbeiteten Plans für den Schienenpersonen-Nahverkehr ignoriert mehrere Projekte, die für die Stadt wichtig sind. Die Verlängerung der S-Bahn nach Odenkirchen und Wickrath, Aufzüge und Toiletten für den Hauptbahnhof Rheydt, eine schnellere Verbindung nach Köln und attraktivere Tarife in andere Nahverkehrsbereiche werden nicht mehr verfolgt. Nicht nur Verkehrsplaner Jörg Clages ist verstimmt: "Wir geben unsere Anregungen ab und bekommen vom VRR keine Antwort." Bei der jüngsten Sitzung des Bau- und Planungsausschusses polterte der SPD-Sprecher Horst-Peter Vennen in Richtung VRR: "Man muss mal deutlich machen, dass diese Rheinseite auch zu Deutschland gehört."
Ein neuer Plan
Nach mehr als zehn Jahren stellt der VRR einen neuen Nahverkehrsplan für den Schienenverkehr auf. Auf mehr als 200 Seiten und 94 Seiten Anhang werden Aussagen über Linien im VRR-Gebiet gemacht. Das erstreckt sich von Langenfeld im Süden bis Haltern und Kleve im Norden sowie Mönchengladbach und dem Kreis Viersen im Westen bis Dortmund im Osten. Im Frühjahr 2008 hatte der VRR die Gebietskörperschaften aufgefordert, Projekte zu benennen. Die Stadt hat einen umfangreichen Katalog geschickt. Im Juni soll der Nahverkehrsplan beschlossen werden. "Die Projekte wurden nur eingeschränkt mit uns erörtert. Es ist nicht nachvollziehbar, warum das so dringlich ist. Die Finanzierung ist doch noch ungeklärt", sagt Gladbachs Verkehrsplaner Clages.
Mönchengladbach als Grenzregion zum Aachener Verkehrsverbund, zum Verkehrsverbund Rhein-Sieg (Köln) und zu den Niederlanden ist im VRR-Gebiet ein Sonderfall. Es kommt zu "kleinen Grenzverkehren". Aber der VRR nennt in seinem Nahverkehrsplan-Entwurf nicht eine Maßnahme, wie die Situation verbessert werden kann. "Es ist teilweise an Haltepunkten chaotisch. Weil die Preissysteme nach Aachen, Venlo und Dalheim unverständlich und überteuert sind, fahren zum Beispiel Fahrgäste aus Erkelenz zum Haltepunkt Herrath, damit sie keine überhöhten Übergangstarife bezahlen müssen. Und das sorgt für Probleme am direkt anliegenden Herrather Bahnübergang", sagt Clages. An einer Verbesserung ist der VRR kaum interessiert, weil ihm wenig an der Zugstrecke Mönchengladbach nach Dalheim liegt. Etwas anders sieht es auf der Strecke nach Köln aus: Da fährt der Regionalexpress so langsam, dass er wenig attraktiv, aber die Verbindung teuer ist.
Die Situation im Rheydter Hauptbahnhof, wo Behinderte wegen fehlender Aufzüge kaum auf den Bahnsteig kommen, kann Verkehrsplaner Clages auch nicht nachvollziehen: "Das ist nicht irgendein Haltepunkt, sondern ein wichtiger Bahnhof für die Stadt." KOMMENTAR
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