Mönchengladbach: Mörderjagd nach 20 Jahren
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 02.10.2008Mönchengladbach (RPO). Können Baumwurzeln Hinweise auf eine vor 20 Jahren einbetonierte Frauenleiche geben? Gladbacher Ermittler lassen nichts unversucht, um Mördern auf die Spur zu kommen. Aktuell geht es um den Fall „Dagmar“.
Der Brief war kurz, der Inhalt an Dramatik kaum zu überbieten: Dagmar Knops ist ermordet und im Keller einer damals leer stehenden Villa verscharrt worden. Vier Zeilen sorgten dafür, dass Anfang des Jahres, mehr als 20 Jahre nach dem Vermisstenfall „Knops“, in der Gladbacher Mordkommission eine aufwändige Ermittlungs-Maschinerie in Gang gesetzt wurde. Einen komplizierteren Fall hatte Kriminalhauptkommissar Ingo Thiel wohl noch nie. Aber er will nichts unversucht lassen, das Schicksal der 22-jährigen Studentin aufzuklären, die 1988 in Kempen verschwand.
Spürhunde nach Tennessee?
Leichenspürhunde, Statiker, Archäologen, Denkmalschützer und diverse Wissenschaftler – sie alle wurden bereits zu Rate gezogen, um herauszufinden, wo Dagmar Knops genau im 150 Quadratmeter großen Keller der benannten Kempener Villa verscharrt und später einbetoniert wurde. Denn das hatte der Briefeschreiber nicht verraten.
Was die Suche kostete
Kosten Die Suchmaßnahmen der Mordkommission im Keller der Villa haben nach Schätzungen von Ingo Thiel rund 50 000 Euro gekostet. Die Polizei war teilweise auch an Wochenenden mit der Suche beschäftigt.
Im Kellergewölbe von 1870 gibt es mehrere übereinander liegende Beton- und Schuttdecken sowie tragende Teile, die alle nicht genau bestimmt werden können, weil es nur unvollständige Baupläne gibt. Den kompletten Kellerboden aufstemmen und nachschauen können die Ermittler nicht. Denn bei allem Verständnis für die polizeiliche Suche pochen die Besitzer der renovierten und edlen alten Villa verständlicherweise auf einen unversehrten Erhalt ihres Hauses.
Also muss die Suche punktgenau eingegrenzt werden. Leichenspürhunde haben im Keller bereits angeschlagen. Mit einem so genannten Georadar wurden Hohlräume entdeckt. Aber eindeutige Hinweise auf den genauen Ort einer Leiche sind das nicht. „Die Spürhunde sind gut ausgebildet, aber wie sie auf einen 20 Jahre lang einbetonierten Toten reagieren, das wissen wir nicht“, sagt der Leiter der Mordkommission Thiel. Im Keller der Kempener Villa schlugen die Hunde an bestimmten Linien an. Wie sich später herausstellte, genau dort, wo sich das Wurzelwerk einer Rosskastanie unter den Keller schob.
Jetzt geht es um die spannende Frage: Ist es möglich, dass sich die DNA einer Leiche in den Wurzeln wiederfindet? Weitere Wissenschaftler sollen hinzugezogen werden. „Wir haben auch schon überlegt, ob wir unsere Leichenspürhunde nach Tennessee schicken“, sagt Thiel. Der Grund: In Tennessee gibt es eine Körperfarm, auf der Leichen in verschiedenen Verwesungszuständen von Wissenschaftlern untersucht werden. Weil es dort auch einbetonierte tote Körper gibt, könnte man testen, wie verlässlich die Hunde reagieren.
Oft müssen die Ermittler bei der Leichen- und Mördersuche zu ungewöhnlichen Methoden greifen. Im Fall Sascha S. hatte eine Maschine, mit der normalerweise Bombensplitter aufgespürt werden, Knochensplitter und Zähne in einer Kleingartenanlage gefunden. Dort war der 15-jährige Sascha, der zehn Jahre lang als vermisst galt, unter einer Terrasse verscharrt worden. Der Vater seiner Ex-Freundin hatte den Jungen ermordet.
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