Mönchengladbach: Mordsspaß beim Filmdreh
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 09.10.2006Mönchengladbach (RPO). Ist das ekelig: Der Aschenbecher quillt über, leere Pizzakartons stapeln sich, Schaben krabbeln über den Tisch, und der Mief hat längst Einzug gehalten in dieses kleine Hotelzimmer. Es ist nur ein Filmset, alles Kulisse. Aber Regisseur Stephan Lenzen darf sich allein schon für die Ausstattung zu seinem neuen Kurzfilm „Geschäft ist Geschäft“ selbst gratulieren. Wenn der Meister des morbiden Filmgeschäfts, Quentin Tarantino („Pulp Fiction“, „Kill Bill“), ein Zuhause suchen würde, dann hätte er vergangenes Wochenende an der Filmwerkstatt von Manglitz Video Produktion in Odenkirchen seine helle Freude gehabt. Allerdings, noch geht es ja, aber am Ende des Films kommt auch noch Blut hinzu.
„Geschäft ist Geschäft“
Stephan Lenzen ist Mediengestalter, macht Stadtfernsehen und Werbeclips, aber jedes Jahr einen Kurzfilm zu drehen – daran hat er seinen Spaß. „Wir machen immer Filme für andere, und einmal im Jahr machen wir das auch mal nur für uns“, erklärt er. Diesmal hatte er folgende Idee: In „Geschäft ist Geschäft“ beschützen drei Polizisten einen Kronzeugen in einem schäbigen Hotelzimmer. Ein Profikiller taucht vor der Tür auf und bringt die Eingeschlossen nur durch Reden dazu, sich gegenseitig zu töten. Ein Psychospielchen mit tödlichem Ausgang.
Zehn Minuten dauert das Ganze später auf DVD, dafür hatten Lenzen und seine Filmcrew zwei Tage Zeit zum Drehen. Der Regisseur und Drehbuchautor stellte sich eine hochkarätige Mannschaft mit zwölf Darstellern und Helfern zusammen, die an dem Film einen Mordsspaß hatten. „Alle machen einfach aus Freude am Film mit“, erklärt Lenzen. „Es geht ohne Geld, das ist ein Freizeitspaß.“
So auch für Borussias Stadionsprecher Torsten Knippertz. Er spielt einen der Polizisten, die am Ende des Drehs mit Filmblut (bestehend aus gekochtem Heidelbeersaft, Stärke und Kakao) beschmiert tot im Zimmer liegen. „Das Filmemachen ist ein Hobby, das eigentlich zum Beruf werden sollte“, erklärt Knippertz. Ein Filmtod ereilte ihn noch nie, bislang tauchte er nur im ZDF in „Unser Charly“ auf. Für die Sprechrolle des Killers hinter der Tür hat Lenzen zudem Gladbachs NRW-Theatertreff-Preisträger Sven Seeburg überredet.
In vier Wochen, rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft, soll die aufwändige DVD fertig sein. Darauf gibt es rund 80 Minuten Bonusmaterial, allein das Hauptmenü birgt ein 15-minütiges Extra. Im Kino laufen wird der Film nicht, aber an internationalen Wettbewerben will Lenzen teilnehmen. Quentin Tarantinos Stimme hätte er sicher.
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