Mönchengladbach: Munition vor dem Container
VON BRITTA KRAUSS - zuletzt aktualisiert: 09.03.2009Mönchengladbach (RPO). Weggeworfene Kühlschränke, Autobatterien und Fensterscheiben – Bürger und Müllentsorger machen oft schockierende Funde. Dabei wird es manchmal auch gefährlich: Vor einem Container entdeckte die GEM Munition.
Wie oft Bärbel Schilling schon die Müll-Hotline der Stadt angerufen hat, weiß sie nicht mehr. An das letzte Mal erinnert sie sich aber noch sehr gut. Von ihrem Garten aus erblickte die 61-Jährige vor einigen Tagen etwas, was eigentlich nicht in die Natur gehört: drei Kühlschränke. Wieder einmal haben hinter ihrem Grundstück in Hockstein die Müllsünder zugeschlagen. Das abgelegene, mit dem Auto befahrbare Gebiet nahe des Bahngeländes zieht all diejenigen an, die sich schnell und heimlich ihres Mülls entledigen wollen. Bärbel Schilling hat in den letzten Jahren schon so manch ärgerlichen Fund gemacht, darunter vier Autobatterien, Teppichböden, Bauschutt und eine Matratze. Jedes Mal greift die Lehrerin des Gymnasiums am Geroweiher dann zum Telefonhörer und ruft die Müll-Hotline an. Kurz darauf wird der Unrat auch schon abgeholt. "Und zwar sehr zügig", wie Bärbel Schilling findet. Verständnis hat sie für das Verhalten der Müllsünder nicht. "Es tut mir in der Seele weh, wenn jemand dieses schöne Stück Natur mit seinem Eichenwäldchen und den Wildrosen als Müllhalde missbraucht", sagt sie.
Mit ihrem ungewöhnlichen Fund ist die Lehrerin nicht allein. Achim Haimüller, Leiter des Kommunalen Ordnungsdienst (KOS), hat in seiner Dienstzeit schon einiges miterlebt. "Es ist sensationell, was die Leute alles wegwerfen", sagt er. Auch wenn in solchen Fällen empfindliche Bußgelder verhängt werden. Zu mehr als 500 Müll-Einsätzen wurden die Mitarbeiter des KOS im Jahr 2008 gerufen. Da wurden Autobatterien im Niers-Grünzug weggeworfen, Elektrogeräte unterschiedlichster Art, Möbel, Haus- oder Renovierungsmüll wild entsorgt oder waren Mieter zu faul, ihre Hausabfälle zum Mülleimer zu tragen. Stattdessen lagerten sie sie auf ihrem Balkon, bis Nachbarn sich über den Gestank beschwerten und den KOS benachrichtigten. Unlängst stellte ein Gladbacher zwanzig ausgebrochene Fensterscheiben vor einen Glascontainer, die Überbleibsel von Renovierungsarbeiten. Dank aufmerksamer Zeugen konnte der Mann ermittelt werden, er musste mehrere Hundert Euro Bußgeld bezahlen. Leider werden aber nur die wenigsten Müllsünder erwischt. "Die Menschen entsorgen gerne an abgelegenen Orten", sagt Haimüller. "Und sie passen auf, dass keine persönlichen Dokumente dabei sind." GEM-Betriebsleiter Wilfried Theißen wundert sich kaum noch über ungewöhnliche Müllfunde. Neben alten Mopeds und Lkw-Ladungen Bauschutt ärgert er sich besonders über abgetaute Kühltruhen, die mitsamt des verdorbenen Inhaltes in der Natur entsorgt werden und auch Seuchen auslösen können. Dabei kann sich die GEM nicht um alles kümmern. Bei Sprengstoff und Waffen müssen wegen der Explosionsgefahr die Polizei oder der Kampfmittelräumdienst eingeschaltet werden. So geschehen vor einem halben Jahr: Da fand ein GEM-Mitarbeiter vor einem Container einen Eimer voller scharfer Gewehr- und Pistolenmunition. Nachdem er den Fund vorsorglich unter Wasser gesetzt hatte, um die Munition unschädlich zu machen, übergaben sie ihn der Polizei. Der Entsorger wurde nie gefunden.
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