Mönchengladbach: Muslim räumt Klischees aus
VON GABI PETERS - zuletzt aktualisiert: 08.10.2010Mönchengladbach (RPO). Jeder, der nicht dem Islam angehört, ist für Muslime ein Ungläubiger? Sheikh Ahmed Yasin gehört zu denen, die diese Frage mit einem klaren Nein beantworten. Der islamische Gelehrte setzt auf Toleranz.
Die Bürgerinitiative Eicken wertet den Besuch von Sheikh Ahmed Yasin als Erfolg. "In dem Gespräch mit dem islamischen Gelehrten konnten viele Klischees, die wir von türkischen Muslimen haben, ausgeräumt werden", sagt der Sprecher der Initiative Wilfried Schultz.
Urenkel des Propheten
Rund 150 Interessierte waren in das Theater in Eicken gekommen, um mit dem Sheikh zu diskutieren. Ahmed Yasin, der der islamischen Sufi-Strömung angehört, sprach sich deutlich für die demokratischen Grundsätze Deutschlands aus. Mit zwölf Jahren kam er mit seinen Eltern aus der Türkei. "Meine Eltern gehörten zu den ersten Gastarbeitern", sagt er. Ein Jahr wohnte die Familie in Essen-Kettwig, zog dann nach Rheydt. "Ich hatte nie Probleme in Deutschland", sagt Yasin. Seinen Glauben habe er immer frei ausüben können. Auch bei der Arbeit. "Als ich einen Job in einer Färberei annahm, habe ich dem Chef gesagt, dass ich als gläubiger Muslim fünfmal am Tag beten werde", erzählt der Sheikh. "Ich sagte: Bitte ziehen Sie die Gebetszeiten von meinem Lohn ab. Der Chef willigte ein." Am Ende des Monats bekam Ahmed Yasin sein Gehalt ohne Abzüge. "Ich machte den Chef darauf aufmerksam. Aber der sagte nur: Wir haben Sie bei der Arbeit beobachtet. Sie sind fleißig und gut. Ihnen muss nichts abgezogen werden."
Die Sufis tolerieren nach Aussagen von Yasin andere Glaubensrichtungen: "Ich vergesse nie die Worte des Pfarrers in Hockstein, der zu mir sagte: Wenn du Christ bist, gehst du in die Kirche, wenn du Moslem bist, besuchst du eine Moschee. Hauptsache, du hast einen Glauben." Sheikh Ahmet Yasin, der nach eigenen Angaben ein Urenkel des Propheten Mohammeds ist, betreibt in Wickrath an der Poststraße eine Moschee. "Wir haben vorher schon in Rheydt und in Giesenkirchen Moscheen gegründet", berichtet er. Direkt im Eingangsbereich des Wickrather Gebetshauses hängt eine Deutschlandfahne. "Mein Mutterland ist die Türkei, mein Vaterland ist Deutschland", sagt der Sheikh, der nach eigenen Angaben Schüler aus ganz Europa unterrichtet.
Nach dem Erfolg des Gesprächs mit Ahmet Yasin im Eickener Theater will die Bürgerinitiative auch weitere Muslime zum Gespräch einladen. Für die Ausführungen des Sheikhs gab es stehenden Applaus im Eickener Theater. Auch die Gastgeber hatten sich gut vorbereitet. In der katholischen Pfarre waren den Sufis Räume für das Abendgebet zur Verfügung gestellt worden.
Morgen, wenn in Eicken die rechtspopulistische Bewegung Pro NRW demonstriert, will die Bürgerinitiative nicht dabei sein. Ihre Mitglieder informieren auf dem Marienplatz in Rheydt über ihre Bedenken gegen die, von den Salafisten geplante Islamschule. Um 12 Uhr gibt es am Samstag außerdem zwei Auftaktveranstaltungen des Bündnisses gegen rechts in der Kaiser-Friedrich-Halle und in der Kirche St. Maria Rosenkranz.
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