Mönchengladbach/Viersen: Mutmaßlicher Kinderschänder belastet
VON ANDREAS GRUHN UND INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 07.09.2009 - 21:26Mönchengladbach/Viersen (RPO). Tief gebeugt hockt der mutmaßliche Kinderschänder auf der Anklagebank, verbirgt sein Gesicht mit einem Ordner und einer Zeitung. Draußen vor dem Mönchengladbacher Landgericht sichern Hundestaffeln der Polizei das Gebäude. Besucher müssen durch mehrere Sicherheitsschleusen.
Damit soll der Angeklagte geschützt werden, der im Juli auf Anordnung des Oberlandesgerichts Düsseldorf aus der Untersuchungshaft entlassen worden war. Anschließend waren weitere schwere Versäumnisse der Mönchengladbacher Justiz bekannt geworden.
Bis zum Prozessbeginn gestern lebte der Mann wieder in seiner Viersener Wohnung. Als die Fernsehkameras den Gerichtssaal verlassen, nimmt der Mann aus Viersen die Zeitung und den Ordner von seinem Gesicht weg, setzt seine Kappe ab und sagt ohne erkennbare Gemütsbewegung aus.
Er bestreitet die meisten Vorwürfe aus der Anklageschrift, in 19 Fällen vier Mädchen aus der Nachbarschaft sexuell missbraucht zu haben. Nicht von ihm seien sexuelle Kontakte ausgegangen.
„Ich hätte mir lieber die Hand abgehackt, als ein sexuelles Interesse zu haben”, sagt der Mann. Die Kinder seien immer anhänglicher geworden. Die Beweismittel am ersten Prozesstag belasten den Angeklagten allerdings erheblich.
Die Richter führen unter Ausschluss der Öffentlichkeit ein Video vor, in dem der 59-Jährige einen sexuellen Kontakt mit einem elfjährigen Mädchen in seinem Wohnzimmer gefilmt haben soll. Der Angeklagte blickt weg, als sich die Prozessbeteiligten das Video anschauen.
Der Vorsitzende Richter Lothar Beckers verliest an schließend Auszüge aus dem Videoprotokoll. „Nein! Nein! Nein! (jammernd)”, wird dort beschrieben, wie sich das Mädchen verzweifelt gewehrt habe. „Sie überwinden mit Gewaltanwendung Widerstand”, sagt der Richter.
Doch selbst das, was auf dem Video zu sehen ist, streitet der fünffache Vater ab. Er behauptet sogar, ein sechsjähriges Mädchen habe ihn einmal in die Badewanne gezogen. Einmal habe er die Kinder dabei ertappt, wie sie sich im Internet Pornos angeschaut hätten und ihnen dies verboten. Die Kinderpornodateien, die die Polizei in seiner Viersener Wohnung gefunden hat, seien auf einen Hacker-Angriff zurückzuführen.
Auf seiner Internet-Seite hatte sich der Mann selbst als „Pädophilen-Jäger” dargestellt. Nach Vorführung des Videos verweigert der Mann jede weitere Aussage. Vergeblich bitten die Richter ihn mehrmals, die Kinder mit einem Geständnis vor einem Auftritt vor Gericht zu bewahren. So wird der Prozess am 25. September fortgesetzt.
Dann sind zwei der vier Mädchen als Zeugen geladen. Und es sollen weitere Videos und Bilder gezeigt werden. Doch trotz der schweren Vorwürfe bleibt der Angeklagte auch nach dem ersten Prozesstag auf freiem Fuß. Er zog in ein Hotel.
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