Mönchengladbach: Nachtgebet auf Markt: Eickener empört
VON HOLGER HINTZEN - zuletzt aktualisiert: 05.09.2010 - 21:02Mönchengladbach (RPO). Nächtliche Zusammenkünfte von Anhängern des Vereins „ Einladung zum Paradies“ (EZP) am Freitag und Samstag auf dem Eickener Markt haben Anwohner beunruhigt. Mehrere Dutzend Männer in langen Gewändern entrollten um 22 Uhr zum Gebet Teppiche auf dem Markt.
Anwohner seien so verängstigt gewesen, dass sie sich nicht mehr aus dem Haus getraut hätten, sagt Wilfried Schultz von der Bürgerinitiative, die sich gegen die vom Verein EZP geplante Islamschule in Eicken engagiert. In Gesprächen mit der Polizei will Schultz erfahren haben: Die Stadt habe bis zum Ende des muslimischen Fastenmonats Ramadan den EZP-Anhängern per Sondernutzungsrecht erlaubt, abends auf dem Markt zu beten.
Die Polizei weist das allerdings zurück. Nach Angaben von Polizeisprecher Willy Thevessen hatte das Ordnungsamt der Stadt nur für Freitagabend mündlich die Erlaubnis zum öffentlichen Gebet erteilt. Von einer Genehmigung für weitere Tage weiß auch Ordnungsdezernent Peter Holzenleuchter nichts. Bis Freitagnachmittag habe kein Antrag dafür vorgelegen, sagt Holzenleuchter gestern. Wenn ein solcher Antrag komme, werde die Stadt ihn sorgfältig prüfen.
Die Polizei habe die Zusammenkunft am Freitagabend beobachtet, doch nicht eingegriffen, da es zu keinen Zwischenfällen gekommen sei. Wenn ein Treffen zum Zweck des Gebets angemeldet werde, sei es Aufgabe der Stadt und nicht der Polizei, eine solche Sondernutzung des Platzes zu genehmigen oder nicht. Die Polizei bemühe sich bei ihren Einsätze, die Situation zu beruhigen und nicht unnötig eskalieren zu lassen.
Weitere Demonstrationen gegen die Aktivitäten des Vereins EZP sind bereits angekündigt. Die „ Bürgerbewegung pro NRW“ kündigt im Internet eine Großdemonstration an, zu der angeblich auch die rechtsextreme Partei „ Die Republikaner“ eine Delegation entsenden will.
Die Bürgerinitiative habe sich bemüht, von ihren Protesten „ rechtsextreme und ausländerfeindliche Trittbrettfahrer fernzuhalten“, sagt Wilfried Schultz. Die Stadt habe entgegen ihrem Versprechen, die Bürger auf dem Laufenden zu halten, nicht über die bevorstehenden nächtlichen Gebete informiert. „ Nach Meinung vieler betroffenen Bürger haben die Behörden erneut ihre Ignoranz und ihren Unwillen bewiesen. Die Bürgerinitiative ist düpiert und empört.“
Zu Wort gemeldet hat sich auch der Türkisch-Deutsche Integrationsverbund. 40 Jahre lang hätten Muslime und Christen in der Stadt friedlich zusammengelebt: „ Leider ist seit kurzem dieser Frieden bedroht. Immer mehr extremistischen Gruppierungen finden hier eine Spielwiese, wo sie ihre gefährlichen Ideologien verbreiten können.“
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