Mönchengladbach: Nando Rafael spielt mit Gott
VON KARSTEN KELLERMANN - zuletzt aktualisiert: 22.03.2008Mönchengladbach (RPO). Borussias Stürmer hat im angolanischen Bürgerkrieg seine Eltern verloren. Nicht aber seinen Glauben. „Das ist eine wichtige Sache in meinem Leben“, sagt der 24-Jährige. Er liest oft in der Bibel, betet und diskutiert sogar mit einigen Teamkollegen in einem Bibelkreis über die Heilige Schrift.
Ein Fußballspiel dauert 90 Minuten. Plus Nachspielzeit. Das Gespräch mit Nando Rafael auch. Es hätte noch viel länger gehen können, doch der 24-Jährige muss zum Training. „Bring viel Zeit mit“, hatte der Stürmer schon vorher gesagt. Es ging nicht um Nando Rafael, den Fußballstar. Nicht um seine Ausbildung in der Ajax-Schule in Amsterdam. Nicht um die 103 Bundesligaspiele, in denen er für Hertha BSC Berlin und Borussia 22 Tore erzielte. Und nicht darum, dass er Gladbachs Zweitligaspiele derzeit meist von der Bank aus verfolgt. Es ging, hier im Souterrain von Borussias Fußballtempel, um Gott.
Nando Rafael
Geboren 10. Januar 1984 in Luanda, Angola
Vereine Ajax Amsterdam (1995 - 2002), Hertha BSC (2002 - 1/2006), Borussia (seit 2/2006)
DFB 13 U21-Länderspiele, 5 Tore
Sprachen Lingála, Portugiesisch, Französisch, Spanisch, Niederländisch, Englisch, Deutsch
Nando Rafael ist gläubiger Christ. Wenn er über Gott redet, tut er das gestenreich. Und lächelt oft. „Das ist eine wichtige Sache in meinem Leben“, sagt Rafael. Er liest viel in der Bibel, betet und trifft sich mit anderen Borussen regelmäßig zu einem Bibelkreis. Bei Physiotherapeut Andreas Bluhm sitzen beispielsweise Sebastian Schachten, Moses Lamidi, Marcel Ndjeng, Alexander Baumjohann und eben Nando Rafael zusammen und diskutieren über die Heilige Schrift. „Es gibt viele Fußballer, die gläubig sind. Die Brasilianer Cacau und Kaka predigen sogar“, sagt Rafael.
Er sitzt auf dem Podest im Presseraum des Borussia-Parks, auf dem Stuhl, auf dem bei den Pressekonferenzen nach den Spielen die Gästetrainer ihre Analysen preisgeben. Kurze Statements, so wie es der knapp bemessene Zeitrahmen gebietet. Auch Nando Rafael ist es gewohnt, nach Spielen schnelle Antworten zu geben. Heute redet er langsamer als sonst. Es hat spürbar Spaß am Thema, ist erfreut, dass der Mensch hinter der Fußballer-Folie interessiert. „Viele Leute sehen nur die Nummer“, sagt Rafael. Er hat die 9 auf seinem grau-weißen Trainingsanzug, die Zahl, die im Fußball für Torjäger steht. Dreimal hat er getroffen in dieser Saison, immer nach einer Einwechslung.
Gott hat mir Talent gegeben
Ein wenig fehlt dem gebürtigen Angolaner, der seit 2005 deutscher Staatsbürger ist, das Glück. Vier Treffer wurden ihm aberkannt. „Das ist ärgerlich. Und natürlich habe ich manchmal einen Hals, wenn ich nicht spiele, das ist doch normal“, gesteht er. Doch sein Glaube gibt ihm die Kraft, geduldig zu sein. „Die Bibel sagt mir, dass Gott einen Plan für mich hat. Ich kenne den Plan nicht. Aber es ist ein guter Plan. Ich habe den Glauben in mir“, sagt Rafael, der mit seiner Freundin Laura und Tochter Chelsea (15 Monate) in Düsseldorf lebt.
Sein Glaube half ihm auch, den schwersten Schicksalsschlag seines Lebens zu verwinden. Seine Eltern wurden im angolanischen Bürgerkrieg ermordet, als er acht Jahre alt war. Der Fußball, den er zu seinem Beruf gemacht hat, „weil Gott mir das Talent gegeben hat“, hat ihm damals das Leben gerettet. Denn als die Mörder kamen, kickte er im Nachbarort. „Das ist Vergangenheit. Aber es gibt keine Zukunft ohne Vergangenheit“, sagt Rafael. Es gibt viele, denen eine solche Tragödie den Glauben an Gott geraubt hätte. „Ich habe nie gezweifelt. Gott macht keine Fehler“, sagt Rafael.
Aus dem traurigen Jungen, der nach dem Tod seiner Eltern mit seinem Onkel Eduardo und seiner Tante Marcelina in die Niederlande flüchtete, wo „ich den Spaß am Leben wiedergefunden habe“, ist ein fröhlicher Mann geworden, der sieben Sprachen spricht, in seiner Mannschaft als Entertainer gilt und sich um seine Kollegen kümmert. „Er hat immer gute Laune, wenn du ihn triffst. Das steckt an“, sagt sein Teamkamerad Sascha Rösler.
Nando Rafael spürt, dass Gott immer da ist, „nicht nur wenn ich gewinne oder Tore schieße. Er gibt mir Kraft und Mut“. Nando Rafael spielt mit Gott. Allerdings weit über die 90 Minuten hinaus.
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