Mönchengladbach: Nepp im Römerbrunnen
VON INGE SCHNETTLER - zuletzt aktualisiert: 31.01.2009Mönchengladbach (RPO). Angela Meyer kannte die Stadt nicht, als sie von der Eifel herzog. Sie besichtigte eine hübsche Musterwohnung im Carolina Park (Römerbrunnen). Als sie mit dem Möbelwagen ankam, wies man sie in eine marode Miniwohnung.
Sie ist dem verheißungsvollen Inserat auf den Leim gegangen: Carolina Park – Leben in neuem Licht. Angela Meyer war begeistert – von den bunten Bildern, von der Ausstattung der frisch renovierten Wohnungen und vom angenehm niedrigen Preis. Aus privaten Gründen hatte sie sich Ende des vorigen Jahres entschlossen, aus der Eifel wegzuziehen und ihre neue Heimat in Mönchengladbach zu finden. Nun sitzt sie in ihrer Wohnung im Römerbrunnen 16. Diese besteht aus einem unrenovierten Raum mit Billig-PVC, die Kochnische hat nicht einmal einen Wasserhahn, geschweige denn ausreichend Platz auch nur für Spüle und Herd, der Wind pfeift durch die Alu-Fensterrahmen, und im Hausflur türmt sich der Müll – der Boden ist gepflastert mit ausgetretenen Zigarettenkippen. Es stinkt.
Carolina Park
Alter Name Römerbrunnen hat in Mönchengladbach keinen guten Klang. Die elf Hochhäuser an der Giesenkirchener Straße gelten als sozialer Brennpunkt.
Neuer Name Der neue Eigentümer, die Berliner Grand City, wählte im vergangenen Herbst den Namen Carolina Park, um das schlechte Image aufzupolieren.
Wunderschöne Musterwohnung
Angela Meyer ist verzweifelt. Sie fühlt sich betrogen. "Der Verwalter hatte mir Ende des Jahres eine wunderschöne Zwei-Zimmer-Musterwohnung im Haus Nummer 5 gezeigt – mit Laminat, einem nigelnagelneuen Bad und einem phantastischen Ausblick ins Grüne", sagt sie. Eine Wohnung in dieser Art wurde ihr versprochen. Und es wurde noch besser. "Als ich wieder nachfragte, hieß es, ich könnte eine Erdgeschosswohnung mit einem kleinen Gärtchen bekommen."
Die 36-Jährige, die nicht ahnen konnte, dass sich hinter dem Namen Carolina Park Gladbachs sozialer Brennpunkt Römerbrunnen verbirgt, war glücklich. Sie ist seit einem Verkehrsunfall vor 15 Jahren schwer gehbehindert. Beide Beine waren mehrfach gebrochen, der Rücken ist kaputt. Nur mit dem Rollator kann sich die junge Frau bewegen. Dazu kommt eine Krebserkrankung, die die Ärzte bei ihr vor zehn Jahren diagnostizierten. Seitdem hat sie drei schwere Operationen überstehen müssen.
Als sie am 15. Januar mit ihrem Hab und Gut im Umzugswagen ankam, schickte der Verwalter sie ins Hochhaus 16 und wies ihr die Wohnung zu, in der seitdem die unausgepackten Kartons stehen – mittendrin ihr Krankenhausbett. "Ich hatte keine Wahl", sagt sie weinend. "Meine Wohnung in der Eifel war gekündigt, ich musste hier einziehen." Kochen geht nicht, spülen auch nicht. "Ich kann mir Fertiggerichte in der Mikrowelle warmmachen, Essen gehen ist zu teuer." Seit ihrem Unfall ist Angela Meyer arbeitsunfähig, das Geld ist knapp.
Der Verwalter des Römerbrunnens, der namentlich nicht genannt werden möchte, hält Angela Meyer für undankbar. "Wir haben ihr Handwerker geschickt, aber sie war nicht da." Sie habe zwar nicht ihre Wunschwohnung bekommen, aber daran sei sie selbst schuld: "Sie hat sich nicht darum gekümmert."
Angela Meyer hat sich Hilfe gesucht. "Meine Mandantin wird auf jeden Fall in allen Punkten Recht bekommen", sagt ihr Rechtsanwalt Wolf-Ulrich Aselmann. "Sie kann sofort aus dem Mietvertrag aussteigen, da sehe ich überhaupt keine Probleme." Das will der Verwalter verhindern: "Ich sehe es nicht ein, auf Mieteinnahmen zu verzichten."
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