Mönchengladbach: Neue Debatte um sechste Gesamtschule
VON GABI PETERS UND RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 29.05.2009Mönchengladbach (RPO). "Wer eine sechste Gesamtschule will, der muss auch sagen, wo sie hinkommt." In dem Punkt sind sich Nicole Finger und Reinhold Schiffers einig. Das war's dann aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten zwischen der FDP-Partei-Chefin und dem GEW-Vorsitzenden – zumindest, was die Ansichten in der Gesamtschul-Frage betrifft.
Nicole Finger lehnt – wie die überwiegende Mehrzahl ihrer Parteikollegen – eine sechste Gesamtschule rigoros ab. Denn erstens werde ein Neubau definitiv nicht von der Bezirksregierung genehmigt und zweitens gebe es keine geeigneten, bestehenden Räume in der Innenstadt. Denn nur dort mache eine weitere Gesamtschule aus ihrer Sicht Sinn. "Wir sehen in Neuwerk, dass bereits die Etablierung einer fünften Gesamtschule in einem Außenbezirk nicht funktioniert. Die Schule schafft es nicht, dass Schüler – gerade mit guten Empfehlungen – den Weg dorthin auf sich nehmen." Und das, obwohl dort investiert wurde und obwohl dort Ganztagsbetrieb herrscht. An einer neuen Gesamtschule werde dies nicht mehr genehmigt.
Auch der CDU-Vorsitzende Norbert Post ist über Jansen-Winkelns Vorstoß sehr verwundert. Wenn der FDP-Chef erkläre, wo die Schule hin soll, wie sie organisiert sein muss und welche anderen Schulen dafür geschlossen werden müssten, könne man in die Diskussion einsteigen. "Eins hat aber sicher keinen Sinn: Einfach irgendwo ein Gesamtschul-Schild anzubringen. Wo Gesamtschule drauf steht, muss auch eine drin sein", so Post.
Reinhold Schiffer findet, dass Jansen-Winkeln mit seinem Vorstoß für eine sechste Gesamtschule "konsequente Schlüsse aus der Schulsituation in Mönchengladbach" gezogen habe. Es sei nicht nur sozial ungerecht, jährlich 500 Kinder von Gesamtschulen abzuweisen. Studien belegten, dass in diesem Verfahren gerade die zu kurz kommen, die Chance und Unterstützung bräuchten. Tatsache ist, dass von den 500 Verweisungen mehr als 300 Kinder sind, die eine Hauptschulempfehlung haben. 180 haben eine Realschulempfehlung. Nach einer Auswertung der FDP verweisen nur die Gesamtschulen Mülfort und Hardt Kinder mit Realschulempfehlungen. Und nur die Gesamtschule Hardt könne es sich erlauben, Kinder mit gymnasialer Empfehlung abzulehnen. Die Mehrheit der FDP ist sicher, dass für eine sechste Gesamtschule nur Kinder mit Hauptschulempfehlung übrig blieben. Reinhold Schiffers sagt dagegen: "Alle Gesamtschulen haben leistungsfähige Oberstufen mit mehr Schülern und vielfältigerem Angebot als manches Gymnasium in der Stadt."
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