Mönchengladbach: Neuer Boom in Autohäusern
VON ANDREAS GRUHN - zuletzt aktualisiert: 26.01.2009Mönchengladbach (RPO). Die Abwrackprämie hat bei Mönchengladbachs Kfz-Händlern zu einem unerwarteten Andrang geführt. In manchen Häusern gab es Wartezeiten bis zu einer Stunde. Erste Betriebe stellten neue Mitarbeiter ein.
Die Mönchengladbacher Autohäuser können sich derzeit vor Kundenansturm kaum retten. Grund dafür ist die Abwrackprämie in Höhe von 2500 Euro, die die Bundesregierung beim Kauf eines Neuwagens ausgelobt hatte. Dabei ist das Gesetz noch nicht einmal beschlossen. Nachdem auch die Mönchengladbacher Autohäuser die Wirtschaftskrise massiv zu spüren bekommen hatten, waren in der vergangenen Woche die Besucherzahlen in den Autohäusern so hoch wie nie. "Es waren etwa doppelt so viele Leute da wie Anfang Januar", sagte Michael Schulz, Verkaufsleiter bei BMW Kirsch. Familie Krings etwa verschrottet nun den zwölf Jahre alten Kleinwagen, obwohl der noch ein Jahr TÜV gehabt hätte. "Normalerweise hätten wir ihn bis zum Ende weiter gefahren", sagt Vater Harald Krings. Nun soll es ein neuer Mini One sein.
Richtig abwracken
Wer bekommt die Prämie? Käufer eines Neu- oder Jahreswagens ab dem 14. Januar 2009, die dafür ihr mindestens neun Jahre altes Auto bis zum 31. Dezember 2009 verschrotten.
Wie viel? 2500 Euro
Bedingung Halter des Altfahrzeugs und Zulasser des neuen Wagens müssen identisch sein.
Wann? Die Anträge gibt es ab morgen auf der Internetseite des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrollen (www.bafa.de).
Andrang wie im Supermarkt
Am Samstag, einem Hauptverkaufstag für Autos, herrschte auch im Autozentrum West ein Andrang wie in einem Supermarkt. Besucher mussten Wartezeiten von einer Stunde auf sich nehmen, bis ein Verkaufsberater frei war. "Unsere älteren Verkäufer fühlten sich an die Zeit nach der Wende erinnert", sagte Geschäftsführer Markus Hamacher. "Nicht nur die Nachfrage, auch die Kaufabschlüsse sind stark gestiegen."
Besonders begehrt sind im Moment Kleinwagen, die durch die Umweltprämie etwa um ein Viertel günstiger werden. Aber auch Modelle der Spitzenklasse wurden am Wochenende verkauft. "Sorgen bereitet uns nur das Mittelsegment", sagte Michael Schulz. Und: "Fahrer älterer Autos sollten vor der Verschrottung auf jeden Fall prüfen, ob es sich nicht um Youngtimer mit höherem Wert als 2500 Euro handelt."
Die Umweltprämie als Teil des Konjunkturpaketes greift offenbar in Gladbach, nachdem die Händler noch im November düstere Prognosen erstellt hatten. Nicht nur, dass die Autohäuser für den Kundenansturm freie Tage gestrichen hatten und alle Verkäufer zum Dienst baten – sie stellten auch neue Leute ein. "Wir haben in der vergangenen Woche einen Auszubildenden übernommen. Ohne den Andrang hätten wir das nicht getan", sagte Markus Hamacher. Auch die Automobilkonzerne könnten bald nachziehen, denn Hamacher plant wie viele seiner Kollegen, nun wesentlich mehr Autos vom Werk zu bestellen.
Durch die erhöhten Bestellungen im Kleinwagensegment könnte sich bald ein Lieferengpass ergeben. Denn die Konzerne produzieren im Moment weniger Autos als sonst. Wenn erhöhte Bestellungen eingehen, könnte es zu Wartezeiten kommen. "Zumindest werden die Konzerne ihre Strategie bei Kleinwagen überdenken", glaubt Markus Hamacher. Die Wertschöpfungskette Automobil sei auch in Mönchengladbach eine Schlüsselbeschäftigung, teilte Frank Mund, Sprecher der Kfz-Innung, mit. Etwa 100 Betriebe sind Mitglied der Innung.
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