Mönchengladbach: Neues System schließt Tote aus
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 17.09.2009Mönchengladbach (RPO). Zahlreiche Gladbacher waren erbost, weil sie Wahlkarten für verstorbene Angehörige erhielten. Dies will die Stadt bald verhindern. Ein neues elektronisches Verfahren vermindert die Fehlerquellen.
Die Geschichte des Rheydters Axel Joeres, dessen im Juni vergangenen Jahres verstorbene Ehefrau Hannelore mehrere Wahlbenachrichtigungen bekommen hat, schlägt immer noch hohe Wellen. Inzwischen hat der städtische Beigeordnete Peter Holzenleuchter Joeres geschrieben und sich für die Panne entschuldigt.
"So etwas ist ärgerlich. Aber wir sind vor Fehlern nicht gefeit. Ansonsten bin ich sicher, dass die städtische Meldebehörde sehr qualifiziert arbeitet", sagt er. Sie pflegt einen Datensatz von rund 267 000 Bürgern weitgehend noch per Hand.
Deshalb lässt Holzenleuchter in Mönchengladbach jetzt ein neues elektronisches Verfahren erproben, das die Daten aus Melde- und Standesamt anders aufbereitet und Fehlerquellen weitgehend ausschließen soll.
Material geht verloren
Mögliche Pannen im Melderegister oder in der Kommunikation zwischen Standesamt und der Meldebehörde tauchen meist erst dann auf, wenn es zu einer großen Aktion kommt. Dies ist bei einer Wahl der Fall. Mehr als 207 000 Wahlbenachrichtigungskarten wurden zum Beispiel für die Kommunalwahl verschickt. Da wurden dann auch die Schwächen im System deutlich: Weil die Mitteilungen verwaltungsintern in Papierform übermittelt werden, passiert es immer wieder, dass Datenmaterial auf dem Postweg verloren geht.
"Und dann kann ich auch nicht ausschließen, dass ein Sachbearbeiter einen Erfassungsfehler macht", sagt Beigeordneter Holzenleuchter. Nicht nur Axel Joeres erging es so: Auch andere RP-Leser meldeten sich und berichteten, sie hätten Wahlbenachrichtigungen für Angehörige erhalten, die längst tot sind.
Oftmals sind es aber auch die Bürger selbst, die wichtige Informationen nicht weitergeben. Früher musste man sich ab- und wieder neu anmelden, wenn man seinen angestammten Wohnort verließ.
Das ist heute nicht mehr erforderlich. Jetzt ist nur noch die Neuanmeldung relevant. Die Folge: Alte und nicht mehr aktuelle Daten überleben in der Statistik und werden nicht gelöscht. Da sind auch die zwölf Mitarbeiter hilflos, die bei der Stadt die tägliche Datenflut verarbeiten müssen. Holzenleuchter: "Bei ihnen landet das Material körbeweise."
Und wenn der Postbote eine Wahlbenachrichtigung oder eine Lohnsteuerkarte als unzustellbar zurückschickt, dann beauftragt Holzenleuchter seinen eigenen Ermittlungsdienst, den Adressaten ausfindig zu machen: Sieben Mitarbeiter prüfen vor Ort und fragen zum Beispiel Nachbarn und Vermieter, was aus Frau X oder Herrn Y geworden ist. "Wir legen großen Wert auf einen guten Bürgerservice und wollen die Mängel minimieren. Ausschließen können wir sie bei der großen Menge derzeit nicht."
Das wird sich vermutlich demnächst ändern, wenn das Verfahren "Autista" den Meldebehörden ihre Arbeit erleichtert. Ob es sich positiv auswirkt, erfahren die Bürger vermutlich bereits Anfang nächsten Jahres: Dann werden die Lohnsteuerkarten verschickt – die nächste Probe aufs Exempel.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum





