Mönchengladbach: Nicht verhaspeln – Freud und Leid der Vorleser
VON ANKE SCHÖNLAU - zuletzt aktualisiert: 13.02.2012Mönchengladbach (RP). Herzklopfen, der Puls geht hoch. Alle Augen sind auf Angelique gerichtet, als sie auf das Podest steigt, ihr Buch aufschlägt und in die Menge blickt. Die Zwölfjährige beginnt zu lesen, ihre Aufregung ist so groß, dass sie sich verhaspelt.
Durchatmen, ruhig weiter lesen, Zeile für Zeile. Nach drei Minuten spürt sie eine leichte Berührung am Arm, die Zeit ist um. Erleichtert und stolz blickt Angelique nach oben. Gerade hat sie den regionalen Entscheid im Vorlesen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels eröffnet.
Seit 1959 findet jährlich der Vorlesewettbewerb für Kinder der 6. Klassen statt. Wer in seiner Schule überzeugt, nimmt am Mönchengladbacher Entscheid teil, der gestern in der Mayerschen Buchhandlung in der Theatergalerie stattfand. 17 Gymnasien, Gesamt-, Haupt- und Realschulen schickten ihre Schüler dieses Jahr zum dreiminütigen Vorlesen vor die Jury, bestehend aus Vertretern des Jugendamtes, der Mayerschen und des NRW-Schulministeriums. Gewonnen haben Angelique Giesers und Luca Baumgart, nachdem sie auch mit dem Lesen eines Unbekannten Textes die Jury überzeugt haben. Für beide winkt nun der Landesentscheid in Düsseldorf, bei dem die Städtesieger gegeneinander antreten. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels lädt im Juni dann für drei Tage zum großen Finale nach Frankfurt am Main ein.
Kein Konkurrenzkampf
Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Letzten Endes geht es auch nicht vorrangig um den Sieg, sondern darum, Kinder und Jugendliche für das Lesen zu begeistern. Mädchen lesen mehr als Jungen – eine nur allzu bekannte Tatsache, von der man, zumindest in Mönchengladbach, nichts merkt. Seit einigen Jahren hat der Buchhandel Jungen stärker ins Auge gefasst. Birgitt Jagielski vom NRW-Schulministerium sieht keinen Grund dazu, Fernsehen und Lesen in einen Konkurrenzkampf zu drängen: "Ein Buch ist ein Buch und ein Fernseher ein Fernseher. Das Lesen kann nicht ersetzt werden, das Gefühl, völlig in eine andere Welt abzutauchen."
Es sei toll, an diesem Tag zu sehen, dass sich so viele Mädchen und Jungen für die eigene Fantasie begeistern können. Lesen fördere früh viele für das Leben wichtige Kompetenzen. Zudem sei es beeindruckend, wie die Teilnehmer des Lesewettbewerbs sich vor so viele fremde Menschen auf die Bühne stellten – ein äußerst mutiger Schritt. Am Ende des Tages sind alle Teilnehmer Sieger: Es gibt Gutscheine der Mayerschen im Wert von 20 Euro und ein Buch.
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