Mönchengladbach: Nik Ebert mit Röntgenblick
VON GARNET MANECKE - zuletzt aktualisiert: 29.10.2006 - 23:00Mönchengladbach (RPO). Die Karikatur ist keine Witz-Zeichnung. Das stellte Nik Ebert in seinem Vortrag im Haus Erholung klar. Eingeladen hatte die Bürgergesellschaft. Sein Thema: „Wer Humor nicht ernst nimmt, hat nichts zu lachen.“
Wenn Nik Ebert über Humor spricht, kommen Themen wie Terror und Angst, politisches Scheitern, Steuererhöhungen und Bildungsarmut zur Sprache. Themen, die so gar kein Witz-Potenzial haben. Genau deshalb gibt der Karikaturist ihnen mit Tuschestrichen ein Gesicht. Denn in der Karikatur ist der Humor nicht Selbstzweck. „Sie ist keine Witz-Zeichnung“, stellt Nik Ebert in seinem Vortrag über das Thema „Wer Humor nicht ernst nimmt, hat nichts zu lachen.“ im Haus Erholung klar. Eingeladen wurde der Gladbacher Karikaturist von den Mitgliedern der Bürgergesellschaft Erholung, die vor 205 Jahren gegründet wurde.
Kommentar politischer Ereignisse
Niks Besonderes
Werke von Nik Ebert sind in dem Buch „Nik‘s Besonderes“ gesammelt.
25 Jahre Politik in Gladbach hat der Karikaturist mit spitzer Zeichenfeder gezeichnet und kommentiert.
Erschienen ist das Buch im Droste Verlag.
ISBN 3-7700-1206-2.
Das Buch kostet 14,95 Euro.
Nicht das Lachen steht bei der Karikatur im Mittelpunkt, sondern das Nachdenken. Sie ist ein Kommentar politischer Ereignisse, der sich der Bildsprache bedient. Mit seinen Zeichnungen analysiert Ebert die Ereignisse und bringt sie auf den Punkt. „Karikatur ist nicht zuständig für das Oberflächliche, sondern Röntgenaufnahme des politischen Geschehens“, betont er. Folgerichtig nimmt das Zeichnen nur ein Drittel der Arbeitszeit an einer Karikatur in Anspruch. Zwei Drittel benötigt der Karikaturist für die Recherche.
Deshalb ist die Karikatur auch keine eigene Kunstgattung, die sich auf die Darstellung und das damit verbundene Handwerk reduziert. Die Idee der Zeichnung entwickelt sich vielmehr aus der nüchternen Analyse und Beurteilung von Fakten und politischer Inhalte, die der Karikaturist sammelt. Diese Informationen setzt der Zeichner in Bezug zu den Menschen, die das Geschehen bestimmen. „Und vor allem zu denen, die sie erleiden“, betont Ebert.
Als Karikaturist habe er die Aufgabe, die Sache auf den Punkt zu bringen. Der Betrachter muss sein Bild sofort erfassen und verstehen. „Das ist die schwierigste Aufgabe eines Karikaturisten“, ist die Erfahrung von Ebert. Das gehe nur auf Grundlage möglichst genauer Beobachtungen. „Sie ist das wohl grundsätzlichste Instrument aller karikaturistischen Instrumente“, sagt Ebert. Das zweite sei das Denken in Bildern. Erst an dritter Stelle komme die Zeichenfeder.
Kommunikation, Wertekonsenz und eine möglichst breite Bildungsbasis sind die Voraussetzungen, um die Realität in die griffigen Bilder der Karikaturen umzusetzen. Und um Karikaturen zu verstehen. „Dafür bedarf es eines möglichst großen Vorrats an sprachlicher Tradition: Definitionen, Sprichwörtern, Sagen, Legenden und Märchen aus dem Kulturkreis des Zeichners“, betont Ebert. Je größer der Vorrat, umso größer auch der Fundus an Metaphern und Assoziationen. Deshalb ist für Ebert eine breit gestreute Unwissenheit die größte Katastrophe: „Nichts hat die Karikatur mehr zu fürchten, als dass sie nicht in ihrer ganzen Doppelbödigkeit verstanden wird.“
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