Mönchengladbach: Norbert Bude siegt haushoch
VON RALF JÜNGERMANN - zuletzt aktualisiert: 30.08.2009 - 22:12Mönchengladbach (RPO). In Mönchengladbach hat der amtierende Oberbürgermeister Norbert Bude überraschend deutlich gewonnen. Er schlug seinen CDU-Kontrahenten Norbert Post um fast 20 Prozent.
Norbert Bude ließ sich bis 19.30 Uhr Zeit, bis er sich im Ratssaal des Rheydter Rathauses feiern ließ. Dabei stand er zu diesem Zeitpunkt faktisch schon seit einer Stunde als Sieger fest. Denn das Duell zweier profilierter Politiker - Norbert Bude (SPD) ist Vorsitzender der nordrhein-westfälischen Städte- und Gemeindebundes, Norbert Post (CDU) Sprecher der Landes CDU für Arbeit, Gesundheit und Soziales - verlief überraschend einseitig.
Am Ende holte Bude, der 2004 in der CDU-Hochburg noch sensationellerweise Oberbürgermeister geworden war, 49,3 Prozent. Für Norbert Post stimmten nur 31,9 Prozent. Damit blieb Post noch fast vier Prozent unter dem ohnehin mageren Ergebnis seiner Partei. Die CDU verlor im Mönchengladbacher Rat zwar fast acht Prozent, blieb aber dennoch mit fast sechs Prozent Vorsprung stärkste Partei.
"Damit hatte ich in meinen kühnsten Träumen nicht gerechnet", sagte Norbert Bude. Der 49-Jährige holte über 20 Prozentpunkte mehr als seine SPD im Rat. Das heißt: Bude bekam viele Stimmen aus dem bürgerlichen Lager. 2004 hatte Bude seine Wahl noch gleichermaßen einer niedrigen Wahlbeteiligung und CDU-internen Querelen verdankt.
Diesmal standen die Christdemokraten geschlossen hinter ihrem Kandidaten. Der hatte zudem einen prominenten Wahlhelfer: Ministerpräsident Jürgen Rüttgers war seit der Nominierung Posts fünf Mal in Mönchengladbach gewesen, um den CDU-Kandidaten zu unterstützen. Zuletzt war er noch vier Tage vor der Wahl in Mönchengladbach.
Norbert Post reagierte zwar enttäuscht, aber gefasst auf das Wahlergebnis. "Mich irritiert, dass gute Sacharbeit so wenig honoriert wird", sagte Post. Tatsächlich ist Post ein akribischer Arbeiter und ausgewiesener Fachmann im Bereich Soziales, dessen Wort in der Landes-CDU Gewicht hat.
Norbert Bude hingegen war bis 2004 überörtlich ein vollkommen unbeschriebenes Blatt. Allerdings gewann er im Laufe der vergangenen fünf Jahre im Amt an Format. Dabei kam ihm vor allem seine Fähigkeit zugute, mit Menschen unterschiedlichster Herkunft auf Augenhöhe zu kommunizieren. Bei offiziellen Anlässen, wie Besuchen des Dalai Lama oder Michael Gorbatschow war er ebenso stilsicher wie bei Empfängen in Kleingartenvereinen oder bei Gesangvereinen. Die BUndes-SPD nahm in ein Förderprogramm für zukünftige Spitzenpolitiker auf.
Bude war auch deswegen für die CDU schwer zu packen, da er von Herkunft und Lebensstil alles andere als ein Schreckgespenst für Bürgerliche ist: Der 49-Jährige ist katholisch, Lektor und Kommnionhelfer in seiner Gemeinde, Mitglied einer Schützenbruderschaft, engagierter Karnevalist. Auch Unternehmer fühlten sich von Bude gut unterstützt.
Die Mehrheitsbildung im Mönchengladbacher wird aufgrund der starken CDU-Verluste schwieriger. Das einzige rechnerisch mögliche Zweierbündnis ist eine große Koalition aus CDU und SPD. Damit dürften sich die Mönchengladbacher Christdemokraten allerdings schwer tun. Denn damit würde es für sie noch schwerer, Norbert Bude im nächsten Wahlkampf zu attackieren.
Rein rechnerisch möglich ist ein bürgerliches Bündnis aus CDU, FDP und der Freien Wählergemeinschaft FWG. Die größten Zuwächse erzielten die Grünen, die fast drei Prozent zulegten und erneut drittstärkste Partei wurden. Allerdings reicht es nicht für ein Bündnis von SPD, Linken und Grünen. Rechnerisch denkbar, aber aufgrund der unterschiedlichen Positionen höchst unwahrscheinlich, ist zudem eine Zusammenarbeit von SPD, Grünen und FDP. Jeweils einen Sitz im Rat erlangten Zentrum und NPD.
Die CDU steht nach dem schlechten Wahlergebnis vor einem personellen Neuanfang. Über Jahrzehnte prägende Ratsmitglieder zogen nicht in das Stadtparlament ein. Andere werden sich möglicherweise von sich aus zurückziehen.
Norbert Post will sich bei der Landtagswahl im Mai erneut um eine Mandat bewerben. Seine Partei hatte ihm vor der Wahl zugesichert, dass er unabhängig vom Ergebnis wieder kandidieren dürfe.
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