Mönchengladbach: Notbremse Kurzarbeit
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 03.01.2009Mönchengladbach (RPO). Unternehmen der Metall- und Textilbranche, Autozulieferer und Maschinenbauer haben durch die Krise zu wenige Aufträge. Bei der Arbeitsagentur häufen sich die Anträge auf Kurzarbeit. Sie ist die Alternative zu Entlassungen.
Die Zahl der Mitarbeiter, die von ihren Unternehmen in Kurzarbeit geschickt wurden, ist gestiegen. 2008 waren allein bis Ende November 1698 Menschen davon betroffen. Im gesamten Vorjahr lag die Zahl bei 1130 Arbeitnehmern. Neben der für die Jahreszeit typischen Kurzarbeit, vor allem im Baugewerbe, schlägt sich nun die Wirtschaftskrise nieder.
Grund für die Kurzarbeit sind fehlende Aufträge. Denn vor allem in der Metall- und Elektrobranche, bei den Automobilzulieferern, in der Textilverarbeitung und im Maschinenbau haben die Arbeitgeber diese Notbremse gezogen. Ansonsten wären Entlassungen die Alternative.
Kurzarbeitergeld
Arbeitsagentur Sie übernimmt auf Antrag der Firmen einen Teil der Lohnkosten.
Mitarbeiter Für sie bedeutet das, dass sie ihren Arbeitsplatz behalten, aber einen Lohnverzicht in Kauf nehmen müssen.
Arbeitsagentur stockt Personal auf
Die Agentur für Arbeit gewährt auf Antrag der Betriebe Kurzarbeitergeld. Voraussetzung dafür ist, dass in Unternehmen oder einzelnen Abteilungen aufgrund einer verschlechterten wirtschaftlichen Lage weniger oder nicht mehr gearbeitet werden kann.
168 Firmen oder einzelne Abteilungen haben bis November 2008 bereits Kurzarbeit bei der Arbeitsagentur angezeigt. „Die Schwäche des gesamten Marktes schlägt sich nieder“, sagt Doris Schillings, Geschäftsführerin der Arbeitsagentur. 2007 gab es im gesamten Jahr hingegen nur 136 Anzeigen. Experten rechnen damit, dass sich die Zahl ab Dezember durch witterungsbedingte Kurzarbeit erhöhen wird.
Die Arbeitsagentur hat zurzeit täglich mehrere Anfragen von Unternehmen. Um dem gerecht werden zu können, soll es demnächst mehr Berater geben. Die Agentur informiert die Arbeitgeber und spricht auch mit den Betriebsräten. „Unternehmen, die in Schwierigkeiten kommen, hilft es, dass das Kurzarbeitergeld jetzt von zwölf auf 18 Monate verlängert wurde und dass es auch an Zeitarbeitsfirmen gezahlt wird“, sagt Johannes-Wilhelm Schmitz, Chef der Arbeitsagentur. Die Arbeitnehmer sollen sich in der Zeit, in denen sie nicht arbeiten, fortbilden. Auch dafür macht die Arbeitsagentur Angebote
Bei EGM-Automotive ist die Kurzarbeit bereits verlängert worden. Der Automobilzulieferer wartet auf eine Landesbürgschaft, die er zum Überleben braucht. Auch bei Oerlikon Schlafhorst, Trützschler und Rheinische Formblech mangelt es an Arbeit. „In der nächsten Zeit werden wir noch mehr damit zu tun bekommen“, sagte Reimund Strauß von der IG Metall.
Unternehmen würden verstärkt das Instrument Kurzarbeit wählen. Das sei sinnvoll: „Sie erhalten sich dadurch ihren Stamm von Mitarbeitern und Facharbeitern. Müssten sie entlassen werden, ginge viel Know-How verloren.“ Das bestätigt auch Doris Schillings: „Trotz schwächerer Konjunktur ist es schwer, Fachkräfte zu bekommen.“
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