Mönchengladbach: Notfallplan für Amoklauf
VON ANDREAS BUCHBAUER, BRITTA KRAUSS UND DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 12.03.2009Mönchengladbach (RPO). Ganz klare Leitlinien haben Schulen, Seelsorger, Feuerwehr und Polizei, wenn das Unfassbare eintreffen sollte. Denn: Ausschließen lässt sich eine solche Bluttat nie, sagen Mönchengladbacher Experten.
Als Pfarrer Ulrich Rosocha die erste Nachricht über den Amoklauf in Winnenden hörte, da erinnerte er sich an die Aussage eines Kollegen. "Das ist wie ein Hineingehen in das Dunkel", hatte der befreundete Seelsorger nach seinem Einsatz beim Amoklauf in Emsdetten gesagt. Rosocha selbst ist seit elf Jahren mit weiteren 25 Pfarrern Mitglied des ökumenischen Notfallseelsorgeteams Mönchengladbach, übt regelmäßig derartige Einsätze und war schon oft vor Ort, wenn Menschen in schreckliche Situationen gerieten. "Da steht die Not des Menschen im Vordergrund. Alles andere relativiert sich dann, und wir haben nur noch die Aufgabe, die Situation abzupuffern – für Betroffene, Einsatzkräfte, Angehörige." Eine Standard-Lösung gibt es dabei nicht: "Wenn bei mir der Feuerwehr-Piepser Laut gibt, dann weiß ich nicht, welches Grauen mich erwartet."
Reaktionen
Norbert Bude "Ich habe davon gehört, als ich zu einem Termin unterwegs war. Mein Fahrer und ich haben uns angeschaut. Wir waren geschockt und sprachlos."
Carolin Bollmann, Schülerin: "Ich habe es mit Freunden erfahren. Es herrschte Stille."
Geschulte Helfer
Während die geschulten Helfer die richtigen Worte in der Not finden müssen, können die Behörden auf detaillierte Pläne zurückgreifen. Die Stadt hat mehrere Notfall-Systeme. So gibt es einen Musterplan des Schulministeriums, der nach den Amokläufen in Erfurt und Emsdetten entwickelt und mit lokalen Informationen ergänzt wurde. Umfangreiche Einsatzpläne gibt es bei der Polizei: Zweimal jährlich treffen sich Polizei und Verwaltung, um diese Pläne zu verfeinern. Da liegen beispielsweise die Grundrisse der Schulgebäude vor, die beschreiben, wo die Klassen untergebracht sind. Es werden Stellen genannt, an denen ein Rettungshubschrauber landen kann. Es gibt eine lange Telefonliste mit allen Verantwortlichen. Zusätzlich unterhält die Stadt ein Kriseninterventionsteam mit Psychologen, Ärzten, Seelsorgern, Experten von Feuerwehr und Polizei. "Das Schlimme ist ja, dass wir erst dann eingreifen, wenn etwas passiert ist. Und immer taucht dann die Frage auf: Was hätte man vorher tun können", sagt Oberbürgermeister Norbert Bude.
"Man kann solche Dinge durch Prophylaxe allein vermutlich gar nicht verhindern", meint Georg Hoffmeister vom schulpsychologischen Dienst. Wichtig sei, den Zugang zu Waffen einzudämmen. Das sieht Ulrich Elsen, Lehrer und schulpolitischer Sprecher der SPD, ähnlich. Um eine solche Tat zu verhindern, müssten Schulen eine Atmosphäre schaffen, in der jeder auf den anderen achte.
"Ein Amoklauf ist Ausdruck einer verzweifelten, schwer gestörten Persönlichkeit", sagt Elsen. Nicht jeder, der Gewaltvideos schaue, werde zum Amokläufer. Auch bei den Schülern in der Stadt ist die Bestürzung groß. Man müsse sehen, dass auch Außenseiter integriert werden. Das sieht auch Simon Schröers (18) vom Gymnasium Geroweiher so: "Man muss jeden so akzeptieren, wie er ist und das Gespräch mit ihm suchen. Vielleicht reicht es schon, wenn man mal fragt: ,Wie geht's dir eigentlich?'".
Lesen Sie hier mehr den Amoklauf in Winnenden.
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