Mönchengladbach: Nur große Autohäuser überleben
zuletzt aktualisiert: 08.09.2008Mönchengladbach (RPO). Interview Rechtsanwalt Dr. Peter Backes erzählt, warum er Gesellschafter von BMW Kirsch geworden ist, wieso der Standort Rheydt schweren Herzens geschlossen werden musste, in welchen Fragen ihn Tochter Johanna (12) berät und warum er trotz vieler Termine keine Uhr bracht.
Sie sind Gründer einer der größten und erfolgreichsten Mönchengladbacher Kanzleien, Vorsitzender des Beschwerdeausschusses der Ärzte und Krankenkassen Nordrhein – und jetzt auch noch Mitgesellschafter eines der 15 größten BMW-Autohäuser Deutschlands. Hatten Sie Langeweile?
Backes Sie haben noch vergessen, dass ich Vater dreier Kinder bin. Nein, Langeweile hatte und habe ich wirklich nicht. Ich ärgere mich oft darüber, dass der Tag nicht 48 Stunden hat. Aber die Aufgabe hat mich einfach zu sehr gereizt.
Weil sie so schwierig ist? Die Automobilbranche hat es nicht leicht im Moment.
Backes Als Anwalt habe ich schon viele Firmen beraten. Dieses Know-how in ein mittelständisches Unternehmen in verantwortlicher Position einzubringen, ist sehr spannend. Zwei Firmen mussten zusammengeführt werden – und damit zwei Strukturen, aber auch zwei sehr unterschiedliche Unternehmenskulturen.
Woher kam der Druck: Waren BMW Hahnen und BMW Hammer zu klein, um zu überleben?
Backes Der Druck kam aus der Konzernzentrale in München. Sie haben unmissverständlich verlangt, dass es nur noch einen BMW-Vertragshändler in der Stadt geben kann. Wenn man sich die erfolgreichen BMW-Autohäuser anschaut, erfüllen sie drei Bedingungen: Sie haben eine gewisse Größe. Sie sind Inhaber geführt. Und sie haben nur einen einzigen Standort.
Dann war also auch das Aufgeben des Standorts Rheydt eine Vorgabe aus München. Im fernen Bayern kann man sich wahrscheinlich nicht vorstellen, was das gerade in dieser Stadt bedeutet.
Backes Das war der Punkt, der uns am allerschwersten gefallen ist: den Standort Rheydt aufzugeben. Aber uns war klar, dass wir nur eine Chance haben, wenn wir uns zentralisieren, uns ganz neu aufstellen. Mancher Rheydter Kunde war darüber vielleicht enttäuscht. Aber noch einmal: Anders hätte das Haus keine Überlebenschance gehabt.
Und es soll ja Straßen geben von Rheydt nach Neuwerk…
Backes Ja, und es soll Kunden geben, die sagen: Das ist mir zu weit. Um dann nach Nettetal zu fahren. Ich sage, der Grundsatz, den ich immer beachtet habe, ist richtig: Die heimische Wirtschaft zu unterstützen, kommt uns allen zugute.
Konsumflaute, hoher Benzinpreis, Konkurrenz durch das Internet – welche dieser Faktoren machen der Branche am meisten zu schaffen?
Backes Es gibt eine spürbare Verunsicherung bei den Käufern. Letztlich verschiebt sich der Markt aber nur. Große geländegängige Fahrzeuge verkaufen sich plötzlich kaum noch. Dafür laufen dann die 1-er und die 3-er Serie hervorragend.
Könnten Sie sich vorstellen, einen 1-er zu fahren?
Backes Oh ja. Ich habe es gerade eine Woche ausprobiert. Das ist ein phantastisches Auto. Und es gibt natürlich auch eine Antwort auf die hohen Benzinpreise. Das Internet hingegen betrachten wir überhaupt nicht als Konkurrenz. Bei Neuwagen wollen die Kunden Beratung, wollen das Auto, für das sie einiges Geld ausgeben, auch vorher ausprobieren können. Und bei den Gebrauchtwagen ist das Internet eine Hilfe, um Autos auch im Ausland abzusetzen.
Der Trend geht zum Multi-Marken-Haus. Können Sie sich das auch für BMW Kirsch vorstellen?
Backes Nein. Wir verkaufen außer BMW noch Mini und Alpina. Mehr Marken werden mit Sicherheit nicht dazu kommen. Bei den Motorrädern bieten wir seit Anfang des Jahres außer BMW auch noch Yamaha an. Das ist aber nicht mehr als eine Produktergänzung.
Warum werden die Häuser für Autos und Motorräder, die beide an der Krefelder Straße liegen, nicht zusammengeführt?
Backes Wir haben tatsächlich darüber diskutiert. Aber Kunden, die ein Motorrad kaufen wollen, haben andere Anforderungen als die, die ein Auto haben wollen.
Ihr erstes Auto war?
Backes Ungelogen, ein BMW 320 i, in dunkelblau. Seither habe ich einige Modelle gefahren und kann besten Gewissens sagen: Die sind wirklich gut.
Gibt es eigentlich Gemeinsamkeiten zwischen einem Autohaus und einer Kanzlei?
Backes Eine ganz grundlegende: die Dienstleistung. Ich habe mich in den 30 Jahren, die ich als Anwalt arbeite, immer als Dienstleister verstanden. Ich sitze nicht am Schreibtisch und warte, bis die Mandanten klingeln, um mich mit ihrem Problem zu konfrontieren. Ich gehe auf sie zu. Darum ist es mir auch wichtig, das Unternehmen, das wir beraten, von innen kennen zu lernen. Ich will die Abläufe, die Organisation, die Struktur verstehen.
Für Ihre Kanzlei haben Sie 2005 direkt neben dem Landgericht ein großes, hochmodernes Bürogebäude gebaut. Warum?
Backes Das war Notwehr. Wir haben in zentraler Lage nach 1200 Quadratmetern Bürofläche in Top-Qualität auf einer Ebene gesucht. Weitere Voraussetzungen waren für uns ausreichend Parkplätze und eine gute Verkehrsanbindung. So etwas haben wir trotz intensiver Suche nicht gefunden und darum selbst gebaut.
Sie haben eingangs gesagt, der Tag könne für Sie ruhig 48 Stunden haben. Trotz vieler Termine tragen Sie keine Uhr. Warum?
Backes Das tue ich schon seit über 20 Jahren nicht mehr. Damals habe ich mit meiner Frau einen langen Urlaub gemacht. Ich habe die Uhr zu Beginn auf den Nachttisch gelegt – und nie mehr angezogen. Ich habe ein ausgeprägtes Zeitgefühl, das auch im Schlaf funktioniert. Wenn ich wegen eines frühen Termins um halb sechs aufstehen muss, brauche ich dafür keinen Wecker. Ich werde von selbst genau zur richtigen Zeit wach.
Ralf Jüngermann führte das Gespräch.
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