Mönchengladbach: OB will faire Chance fürs Café Pflaster
VON HOLGER HINTZEN - zuletzt aktualisiert: 26.09.2008Mönchengladbach (RPO). Das umstrittene Café Pflaster in Rheydt ist eröffnet – und hat in Oberbürgermeister Norbert Bude einen Fürsprecher gefunden. Bei allem Respekt vor den Ängsten der Anlieger forderte er eine „faire Chance“ für den Treffpunkt.
Das große Plakat mit einem langen Protest-Text ist abgehängt. Statt des tagelang zu sehenden Posters klebte gestern am Fenster des Café Kiwi ein kleinerer oranger Zettel: „Ja! Für die Sicherheit unserer Kinder. Nein! Standort Café Pflaster Bruckner Allee 37“. Angst vor der Anlaufstelle für (Tages-)Obdachlose, Drogenabhängige und durch Armut aus der Bahn geworfene Menschen haben immer noch viele Anwohner.
Nicht nur die unmittelbare Nachbarin im Café Kiwi. Diese Ängste müssten auch respektiert werden, meinte Oberbürgermeister Norbert Bude gestern vormittag bei der Eröffnung des umstrittenen Hauses mit der Nummer 37. Er stellte sich gleichwohl erneut hinter das Projekt des Diakonischen Werks: „Ich wünsche mir einen fairen Start für das Café“, sagte Bude. Sollte es doch Probleme geben, könne man „nachsteuern“.
Polizei und Ordnungsdienst
Ein Team aus Sozialarbeitern, Streetworkern, Krankenschwestern und Küchen-Mitarbeitern werden in dem Haus ab sofort werktags für mehrere Stunden ansprechbar sein, grundlegende medizinische Versorgung und gegen geringes Entgelt ein Frühstück anbieten. Und weil die Arbeit im Umfeld des Hauses – wie im Fall des Gladbacher Café Pflasters an der Aachener Straße – in Zusammenarbeit mit Polizei und Ordnungsdienst geschehen soll, waren gestern auch Ordnungsdienstler und Polizisten bei der Eröffnung.
Auch wenn eine Hand voll Zuschauer die Ankunft der Gäste lieber von draußen, aus der Distanz einer Straßenbreite beobachtete, gab es drinnen und im Garten des Hauses erste vorsichtige Annäherungen. Mittwochabend war Alexander Bach noch bei einer Protestaktion am Rande der Ratssitzung gewesen, gestern kam er mit einem Präsent ins Café: ein Gebinde aus eine paar Packungen Kaffee und einigen Schachteln Heftpflaster. Am Café-Standort zweifelt Bach zwar immer noch. Aber: „Zumauern können wir den Eingang nicht. Was sollen wir also machen? Wir müssen erst mal nach vorne schauen.“
Das will auch Pfarrer Wolfgang Hess vom Diakonischen Werk. Er versprach: „Wir werden genau darauf schauen, was hier passiert. Und wir wären die Letzten, die nicht über einen Standortwechsel nachzudenken bereit wären, wenn es nicht so läuft, wie wir es wollen.“
Und dann war da noch Heinrich T. unter den Gästen. Mit Drogen habe er nichts zu tun, sagt der 67-Jährige. Und erzählte von seinem 30-jährigen Sohn, der wegen Drogen und Beschaffungskriminalität in Untersuchungshaft sitzt, und von seiner Enkelin, die beobachtet hat, wie ihr Onkel „piek, piek“ gemacht hat. „Das ist schlimm, wenn so etwas in der Familie ist“, sagt Heinrich T. „Die Leute sollten doch froh sein, wenn es Häuser wie das hier gibt.“
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