Mönchengladbach: Obdachlosen-Treff an Brucknerallee 37
VON DIETER WEBER - zuletzt aktualisiert: 15.04.2008Mönchengladbach (RPO). Es ist eine Randgruppe, die für Aufregung sorgt: Auf dem Rheydter Marktplatz treffen sich zahlreiche Wohnungslose und Drogenabhängige. Sie lärmen, trinken Alkohol, pöbeln Passanten an. Eine Situation, die es vor einigen Jahren in Gladbach ebenfalls gab. Da betraf dies den Kapuzinerplatz. Heute hat sich die Situation hier entspannt. Der Grund: Die Diakonie bietet mit dem „Café Pflaster“ an der Aachener Straße einen Treffpunkt für Menschen an, die auf der Straße leben. Mit einem vergleichbaren Projekt will die Diakonie die Situation auf dem Rheydter Marktplatz entkrampfen: Das Haus Brucknerallee 37 soll das neue „Café Pflaster“ in Rheydt werden. Hier bekommen Nichtsesshafte für wenig Geld etwas zu essen, können sich duschen und werden medizinisch versorgt. Weite Teile der Politik und die Stadt sind dafür. Aber es gibt Kritik am Standort. „Er ist zu weit vom Marktplatz weg. Ich bezweifle, ob der angesprochene Kreis zur Brucknerallee geht“, sagt Bezirksvorsteher Karl Sasserath (Grüne). Und jetzt kursierte in Rheydt ein Brief, in dem auf die Nähe zum Hugo-Junkers-Gymnasium und zur Maria-Lenssen-Schule hingewiesen wird. „Soll dieser Bereich Drogenumschlagplatz werden?“, heißt es da. Sozialwirtin Brigitte Bloschak, die für die Diakonie die Pflaster-Projekte steuert, teilt diese Bedenken nicht: „Mit der Leitung der Maria-Lenssen-Schule und mit mehreren Nachbarn habe ich gesprochen. Sie tragen die Einrichtung mit.“ Für diese Woche ist noch ein Gespräch mit dem Hugo-Junkers-Gymnasium geplant.
Die Diakonie ist in ihren Planungen bereits sehr weit: Sie will für rund 130 000 Euro das sanierungsbedürftige Haus von der Kreisbau kaufen und umbauen. „Wir haben mehrere Standorte untersucht. Am Markt ist es nicht möglich, und im Zentrum wollen die Geschäftleute eine solche Einrichtung nicht haben“, sagt Diakonie-Geschäftsführer Heinz-Herbert Paulus. Er weiß, dass der Wohlfahrtsverband mit der geplanten Einrichtung ein Risiko eingeht, weil langfristig geplant werden muss: „Wir können das Haus nur kaufen. Die Kreisbau will es nicht vermieten.“
„Anfangs gab es viel Ärger“
In Rheydt wiederholt sich derzeit, was in Gladbach alles überstanden ist. Paulus: „Auch dieser Standort an der Aachener Straße war umstritten. Anfangs gab es viel Ärger, weil wir für alles verantwortlich gemacht wurden, was in der Nachbarschaft geschah. Doch inzwischen ist die Einrichtung anerkannt.“ Rund 90 Frauen und Männer besuchen täglich das Gladbacher „Café Pflaster“ und werden von Krankenschwestern und Sozialarbeitern betreut. Seitdem herrscht Ruhe auf dem Kapuzinerplatz.
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