Mönchengladbach: Obdachloser auf Krawalltour
VON INGRID KRÜGER - zuletzt aktualisiert: 25.10.2007Mönchengladbach (RPO). Seit zehn Jahren sei er obdachlos, beschwerte sich gestern ein Beschuldigter (44) vor der Zweiten Strafkammer des Mönchengladbacher Landgerichts. „Wenn man mir eine Wohnung gegeben hätte, säße ich jetzt nicht hier auf der Anklagebank“, meinte der Grevenbroicher. Dass er sich im vergangenen Jahr seinen Mitbürgern in einer Serie von Straftaten als gewalttätiger Zeitgenosse präsentierte, konnte er trotzdem nicht erklären. Diesmal wirft ihm der Staatsanwalt 16 Straftaten vor - Erpressungen, Diebstähle, Körperverletzung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch. „Ständig die Bierflasche in der Hand“, so wird er von Zeugen beschrieben. Dass der Angeklagte Alkoholprobleme hat, geht aus früheren Gutachten hervor. Außerdem ist er bereits jetzt in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht, weil er an einer Psychose leiden soll.
Doch der Angeklagte sah das alles anders. Er versuchte zu bagatellisieren. Aufgeregt verteidigte er sich: „Das hab ich doch nicht so gemeint. Da war ich wütend und genervt.“ Seine Freundin habe ihn verlassen, da habe er schon mal aus Wut eine Tür eingetreten oder einen Faustschlag ausgeteilt. Dass er die Opfer tatsächlich in Angst und Schrecken versetzt hat, war nach der Anklageverlesung deutlich. So soll er von einem Mitbewohner in einer städtischen Notunterkunft in Grevenbroich Geld gefordert und dem verängstigten Mann schließlich Schläge angedroht haben. Das Opfer gab ihm 25 Euro. „Das war doch nur geliehen“, erklärte der Beschuldigte unbeeindruckt. In einem Kiosk bediente sich der 44-Jährige selbst, als die Verkäuferin nichts „anschreiben“ wollte. „Für die Zigaretten und die Flasche Wodka wollte ich abends zahlen“, so der Angeklagte gestern.
Im September vergangenen Jahres hielt der Obdachlose einen Caritashelfer an, der als Zivildienstleistender Essen ausliefern sollte. Der junge Mann sollte ihn mit dem Caritasfahrzeug fahren. Als der Fahrer sich weigerte, erhielt er von dem Mann einen Faustschlag. Anschließend trat der Abgewiesene voller Wut gegen Autotür und Scheibe. Wenig später hielt der Grevenbroicher einen Radfahrer an: „Ich will dein Fahrrad“ und schlug den Fahrer, bis der zu Boden ging. Auf ähnliche Weise soll er Mitarbeiter der Caritas-Obdachlosenhilfe bedroht haben, weil sie ihm einen Vorschuss verweigerten. Im März soll er sich vor einen Rettungswagen auf die Fahrbahn geworfen und schließend einen Hund mit dem Aufruf „Fass“ auf die Rettungssanitäter gehetzt haben. Der Hund bellte allerdings nur. „Da bin ich doch nur gestolpert“, verteidigte er sich empört. Das Sicherungsverfahren wird fortgesetzt.
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