Mönchengladbach: Öko-Strom „Betrug am Verbraucher?“
VON CAROLA SIEDENTOP - zuletzt aktualisiert: 08.01.2008Mönchengladbach (RPO). Die Verbraucherzentralen und Greenpeace haben Stromversorgern „Betrug am Verbraucher“ und Etikettenschwindel vorgeworfen. Wo Öko-Strom drauf stehe sei nicht immer Öko-Strom drin. Manche regionalen Stromanbieter verkauften herkömmlichen Strom, etwa aus Atom- oder Kohlekraftwerken, den Verbrauchern als Öko-Strom.
Möglich macht das ein Zertifikat, das etwa von einem europäischen Wasserwerken erworben wird. Das Ergebnis ist quasi „umetikettierter“ Strom, der – ganz legal – unter dem Namen Öko-Strom vom Versorger an den Verbraucher geliefert wird. In der Regel ist er teurer, als konventioneller Strom.
Auch NVV will Zertifikate
Diese Zertifikate stammen beispielsweise aus Norwegen. Dort wird eine große Menge Öko-Strom produziert. Überschüsse verkauft der norwegische Erzeuger als Normalstrom an andere skandinavische Länder – und die Zertifikate werden zusätzlich zu Geld gemacht. Das Prädikat „Öko“ wird also verschoben auf ein Produkt, das nur aus normalem Strom bestehen kann. Mehr Strom aus erneuerbaren Energien wird also nicht erzeugt. Was der Verkäufer aus den Erlösen der Zertifikate macht, ist ihm überlassen. Er muss nicht in erneuerbare Energien investieren.
Die NVV will ab dem 1. April einen neuen Strom-Tarif herausbringen – mit 70 Prozent Öko-Strom. Das neue Modell NEW-Strom soll (bis auf die Grundversorgung) alle anderen Tarife ablösen. Diese 70 Prozent Öko-Strom entstehen ebenfalls durch Zertifikate. Das hatte Dr. Wolfgang Hüppe, Geschäftsführer der NVV-Vertriebstochter NEW-Energie, bestätigt. Auch wenn die Zertifikate in die Kritik geraten sind, will die NVV bald „70 Prozent unseres Stroms als ökologische Energie darstellen“, sagte NVV-Pressesprecher Helmut Marmann.
Die NVV geht davon aus, dass sie mit dem Erwerb von Zertifikaten gleichsam Öko-Strom erwirbt. Ausschlaggebend sei nicht, welcher Strom in Mönchengladbach aus der Steckdose kommt, sondern wie die Bilanz europaweit aussieht. „Der Strom ist aber noch nicht gekauft, wir sprechen mit möglichen Lieferanten“, so Marmann.
Die Verbraucherzentralen raten Kunden, die auf Öko-Strom umsteigen wollen, die Angebote der Anbieter generell gut zu prüfen, wenn sie ein deutliches Plus für die Umwelt wollen. Echte Anbieter von Öko-Strom versorgten ihre Kunden zu hundert prozent mit erneuerbaren energien und förderten außerdem deren Ausbau.
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